Presseschau
Soziale Explosionen reloaded?

Die Internationale Wirtschaftspresse blickt auf die Unruhen in Großbritannien. Die Financial Times Deutschland wundert sich über den Erfolg der schweizerischen Zentralbankankündigung. Die Presseschau.
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Ob sich die Geschichte einfach wiederhole, fragt sich ein französischer Gastkommentator der britischen Financial Times mit Blick auf die Ähnlichkeiten der Straßenkrawalle in England im Sommer 2011 mit denen in Frankreich im Herbst 2005. Die seien verblüffend. „Genau wie die angelsächsische Presse, fragen sich heute die französischen Medien, warum „England brennt“.“ Doch die Unterschiede seien signifikanter, glaubt das Blatt. Während die Unruhen in Frankreich vor allem in den armen Vororten rund um Paris und ein paar anderen Städten tobten, sei dies in England ganz klar nicht der Fall. Auch die Ziele seien andere: Während in Frankreich Schulen und Autos primäre Objekte der Gewalt gewesen seien, seien sie in England weniger gut definiert, auch wenn es eine Konzentration auf Einzelhandelsgeschäfte gebe. „Ob die jungen Leute, die die Straßen von England einnehmen mehr gelangweilt als verzweifelt sind“, fragt sich die FT. Sagen könne man, dass Staaten von ihren Bürgern nur Opfer verlangen können, wenn diese das Gefühl haben, dass die Anstrengungen gleich verteilt sein würden. „Falls nicht: Vorsicht vor den sozialen Explosionen, die sicher folgen werden.“

Die Kommentatorin des Wall Street Journals nähert sich der Frage nach dem Sinn durch die Augen des Sohns einer Ladenbesitzerfamilie – beim Wasserkauf. „Das passiert, wenn der Konsens zusammenbricht“, stellt sie fest. Kameras werden vielleicht den Autoritäten helfen, ein paar der Aufständischen einzukreisen, aber sie haben die Rechtlosigkeit zuvor nicht verhindern können.“ Die von ihr befragten Raif-Brüder hätten keine Armee – nur einen Laden, den sie am Laufen halten müssten. „Die Dinge sind schon schwer. Wenn wir zumachen, wo soll dann das Geld herkommen“, zitiert sie den jungen Mann. „Wir bleiben offen. Wir sehen jetzt, dass es auf eigenes Risiko geht. Aber das ist unser Geschäft“, zitiert das WSJ weiter.

Auf die Gefühle, die die Aufstände auslösen und die Frage, ob sie exportierbar sind, konzentriert sich der britische Economist. Scham sei die erste Reaktion vieler Leute in Großbritannien auf die Unruhen rund um Tottenham gewesen. „Die Welt beobachtete London mit faszinierter Begeisterung“, glaubt das Blatt. Habe doch Britannien ein friedliches Image als ordentlich und rechtstreu, verglichen mit seinen aufregenderen kontinentalen Nachbarn. Die verbreitete Annahme, dass das Land und seine Hauptstadt bei allen Ungleichheiten und Rissen grundsätzlich ordentlich und harmonisch sei, habe sich als obsolet entpuppt. „Die Brüche in der britischen Gesellschaft – ökonomisch und moralisch – haben sich geöffnet und sind tiefer als gedacht“, beobachtet das Blatt. Die Unruhen seien schlecht für Britanniens schon stotternde Wirtschaft, ruinös für die Leute, deren Häuser und Geschäfte beschädigt und zerstört würden. Vor allem brächten sie das Selbstbewusstsein des Landes durcheinander.

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