Presseschau
UK-Bankenzerschlagung als ausgezeichnetes Signal

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den Plan der britischen Regierung, drei Großbanken zu zerschlagen. Forbes fordert Bonuszahlungen fürs amerikanische Volk. Report on Business empfiehlt Investoren, groß zu denken. Die französische Capital untersucht das Erfolgsgeheimnis von Ikea. Fundstück: Die neue Spezies der Superreichen.
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Die Financial Times Deutschland sieht in dem Plan der britischen Regierung, die Royal Bank of Scotland, Llodys und Northern Rock zu zerschlagen, ein „ausgezeichnetes Signal“ für Staaten, die sich fragen, was sie mit ihren Staatsbeteiligungen an Banken anfangen sollen - vorausgesetzt, er gelinge. Großbritanniens Schatzkanzler Alistair Darling habe versichert, Bankenteile nur an Bieter zu verkaufen, die noch nicht im britischen Finanzsektor aktiv sind. „Hält er das durch und finden sich genug Interessenten, würden die Verbraucher auf der Insel von mehr Wettbewerb profitieren. Das könnte sich in niedrigeren Bankgebühren und besserem Service niederschlagen.“ Ein weiterer positiver Effekt: Die Zerschlagung verkleinere die betroffenen Institute und verringere somit das Risiko, dass eines von ihnen wieder gerettet werden muss - weil es zu groß ist, um eine Insolvenz zu riskieren. Der Plan könne aber nur aufgehen, wenn der britische Staat den Verkauf intelligent betreibe. „Er muss Geschäftsbereiche abspalten, die groß genug sind, um mittelfristig zu überleben, und er muss Bieter auswählen, die nicht nur ein hohes Gebot, sondern auch ein tragfähiges Geschäftsmodell vorlegen.“ Dass politische Eingriffe bei Banken häufig danebengehen, sei zur Genüge bewiesen.

Aus Sicht des Wall Street Journals ist Alistairs Schritt auf die EU-Wettbewerbskommission zurückzuführen: „Sie will sicher stellen, dass Banken, die staatliche Hilfe erhalten haben, keinen Wettbewerbsvorteil gegenüber Banken haben, die unabhängig geblieben sind.“ Deshalb sollten Marktanteile besser verteilt werden. Mögliche Bewerber, spekuliert das Blatt, könnten die Tesco Bank sein und die Virgin Group: „Immerhin hat sich Virgin Money, Teil von Richard Bransons Unternehmen, bei der Financial Services Authority um den Status einer Bank beworben.“ Somit könnten sowohl Institutionen zum Zuge kommen, die Erfahrungen im Bankensektor haben, als auch solche, für die das Bankgeschäft Neuland ist.

Da könne man nur staunen, meint das Portal des Adam Smith Institutes aus Großbritannien. Erst habe die Regierung die Banken zur Fusion gezwungen, nun könnten wieder ganz alte Namen - darunter TSB oder Williams & Glyn’s - wieder an die Londoner High Street zurückkehren. „Diese Episode zeigt, wie Märkte durcheinander geraten, wenn Politiker beginnen sich einzumischen“, kommentiert die dem freien Markt verpflichtete Denkfabrik. Jahrelang habe die Politik den Gigantismus im Bankensektor favorisiert, nun schwenke sie um - „und das nur, weil EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes darauf besteht.“ Kleinere Banken würden dem Königreich gut tun, denn es mangele an Wettbewerb in diesem Sektor. Nur sei die Frage, warum die Banken in den letzten Jahren ständig gewachsen seien, riskante Geschäftspolitik betrieben und üppige Boni gepflegt hätten. „Regulierung ist die Antwort: Die Behörden haben zu stark eingegriffen. Wenn die Regierung also jetzt klagt, dann über ein Problem, das sie selbst verursacht hat.“ Wenn Großbritannien kleinere Finanzinstitute wolle, müsse das Land auch die Regulierung zurückfahren: „Ansonsten werden diese kleinen Banken nicht überleben.“

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