Presseschau vom 18.12.2007
Angreifen statt abwarten

Die internationale Wirtschaftspresse zieht konträre Zwischenbilanzen zur Krise an den Finanzmärkten. Die Süddeutsche rät Michael Glos, sich als ordnungspolitisches Gewissen aufzustellen. Die New York Times beschreibt den Krieg zwischen Google und Microsoft. Fortune ist begeistert vom Elektroauto „City“. Fundstück: Keine zu scharfen Geschenke!

» Newsweek setzt dem Lamento über die Finanzmarktkrise den Boom der Weltwirtschaft entgegen. Abseits der „temporären Marktfluktuationen“ habe die Weltwirtschaft in den vergangenen vier Jahren um durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr zugelegt – das Wachstum falle zwei Prozent höher aus als in den 80er- und 90er-Jahren. Zwischen 1980 und 2000 habe die Zahl der Länder, deren Wirtschaft mindestens um fünf Prozent zulegt, bei 50 gelegen, 2006 bereits bei 104. Selbst ein Land wie Kambodscha, das sich vom Bürgerkrieg erhole, wachse im neunten Jahr in Folge um mehr als sechs Prozent. Schwellenländer konzentrierten sich nicht länger darauf, lediglich billige Arbeit anzubieten, sondern brächten ihre eigene Mittelschicht hervor, zögen weltweit agierende Firmen auf und agierten auf der globalen Finanz-Bühne. „Es läuft im Moment eigentlich ziemlich gut“, schließt das Magazin.

Der » Guardian beschreibt düstere Aussichten für die britische Wirtschaft. Nach einer Erhebung des Unternehmerdachverbands CBI (Confederation of British Industry) werde sich die Wirtschaft vor 2009 nicht von den Schocks auf den Finanzmärkten erholen: Für das kommende Jahre rechnet die CBI mit einem Wachstumsplus von zwei Prozent – ein Prozent unter dem diesjährigen Wachstum –, während die Arbeitslosenzahl auf 1,7 Millionen und die Inflationsrate von 2,1 auf 2,6 Prozent steige.

» Les Echos fragt besorgt, ob Frankreich bald „seinen ABN Amro-Fall" erlebt. In dem Maße, in dem Giganten wie Citigroup oder UBS Abschreibungen von dutzenden Milliarden vermeldeten und andere Wettbewerber mit Negativnachrichten folgten, gerieten auch französische Banken mehr und mehr ins Wanken, allen voran Société Générale und BNP-Paribas, die im Index der 40 führenden französischen Aktiengesellschaften (CAC-Index) zuletzt geschwächelt hätten. Das mache die beiden „Prunkstücke“ zu Kandidaten für eine Zerschlagung oder Übernahme. „Der Fall der niederländischen Bank ABN Amro, eine Jahrhundertbank, eine echte Ikone, hat gezeigt, dass nichts vor Angreifern schützen kann, wenn diese mit überzeugenden Bilanzen und wohl durchdachten Plänen aufwarten“, meint das Blatt. „Weil Angriff noch immer die beste Verteidigung ist, bleibt den beiden Banken nur, in die Offensive zu gehen. Entweder blicken sie über die Grenzen und beteiligen sich selbst an anderen Instituten, oder aber sie fusionieren, um auf diese Weise ,uneinnehmbar' zu werden“, schlägt das Blatt vor.

Die Märkte brauchen mehr Informationen über die Finanzkrise, um die Unsicherheit zu überwinden, schreibt » El Pais aus Spanien. Die Koordination der Zentralbanken bei ihren Finanzspritzen sei zwar korrekt gelaufen. Dies sei aber nur eine der Therapien, die aktuelle Kreditkrise zu überstehen. Der Schlüssel liege auch für das spanische Bankensystem in der schnellen und vollständigen Information über die Solvenz der Banken.

Seite 1:

Angreifen statt abwarten

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%