Presseschau vom 20.11.2007
Keine Chance für Pac Man

Die internationale Wirtschaftpresse verfolgt das Übernahmedrama zwischen den Bergbaukonzernen BHP Billiton und Rio Tinto. Newsweek sieht die Republikaner bei der US-Präsidentenwahl 2008 wegen der Kreditkrise im Nachteil. Die Times warnt Facebook vor einem Engagement in China. Fundstück: Fortune schwärmt für milliardenschwere Erbinnen.

Während sich gestern die japanischen Stahlhersteller sowie China gegen einen Zusammenschluss der Bergbaukonzerne BHP Billiton und Rio Tinto ausgesprochen haben, grübelt die Wirtschaftspresse weltweit über das mögliche Procedere des Übernahmekampfs. Der » Business Spectator aus Australien hält ein feindliches Übernahmeangebot derzeit für unrealistisch. Zwar erscheine der Schritt logisch, da sich Rio weigere, über eine Fusion zu verhandeln. Doch solch ein „konventioneller Weg“ passe nicht zu den unkonventionellen Unternehmen. Ihre Größe, der Druck, den sie auf ihre Kunden ausüben könnten, die historisch gewachsene Rivalität sowie die Tatsache, dass beide Firmen eine Unternehmensstruktur der Dual-listed Company hätten, sprächen gegen eine feindliche Übernahme. BHP benötige außerdem die Unterstützung des Rio-Managements, um eine Fusion einfädeln zu können. „Es gibt eine kulturelle Dimension des Angebots, die durch ein feindliches Angebot zerstört würde“, schreibt das Blatt.

» Business Day aus Johannesburg hält eine „Pac-Man-Strategie“, bei der der Gejagte zum Jäger wird und seinen Angreifer frisst, für unwahrscheinlich. Zwar kursiere in Unternehmenskreisen weiterhin das Gerücht, dass Rio eine Übernahme von BHP Billiton vorbereite. Für das Rio-Management sei dieser Schritt jedoch kaum zu bewältigen: Es müsste die eigenen Aktionäre davon überzeugen, statt ein Premiumangebot für die eigenen Aktien zu akzeptieren, den Aktionären von BHP ein Premiumangebot zu unterbreiten. Da sich die Pac-Man-Verteidigung jedoch in den meisten Fällen als schwach erwiesen habe – und wenn überhaupt nur dann attraktiv sei, wenn die Bieter-Firma kleiner als das Ziel-Unternehmen ist –, wären die Aktionäre wenig begeistert. Vor dem Hintergrund, dass außerdem der Auftritt eines weißen Ritters unwahrscheinlich sei, könnten die Rio-Manager in dieser Situation nicht viel anderes tun, als zu betonen, dass das Übernahmeangebot zu niedrig sei.

Folgen der Kreditkrise für die US-Wahlen 2008

» Newsweek fragt nach den Auswirkungen der Subprime-Krise auf die US-Präsidentenwahlen 2008. Zwar habe sich die Immobilien-Krise bislang kaum auf die Ausgaben der Konsumenten ausgewirkt. „Wir müssen aber abwarten, ob dies nur der erste Akt eines Dreikakter-Dramas ist, oder ob das Schlimmste tatsächlich vorbei ist. Wenn dies erst Akt eins ist, geht es bei der Krise nicht nur um Wirtschaft. Dann könnte sie über den neuen Präsidenten entscheiden“, blickt das Magazin voraus. Obwohl der Einfluss der Politik auf die Wirtschaft gering sei, wählten die Bürger in der Regel nach ihrer Geldbörse. Eine schwächere Wirtschaft sei besonders für die Republikaner eine Bürde im Wahlkampf: „Eine scharfe Kreditklemme wäre fatal.“ Nach den jüngsten Prognosen der Berater von Global Insight könnten die Häuserpreise bis 2008 weiter sinken, während die Arbeitslosenquote von derzeit 4,6 Prozent auf 5 Prozent steigen werde.

Lehren aus der Subprime-Krise

Für mehr Gelassenheit im Umgang mit der US-Hypothekenkrise plädiert » Les Echos. In einem Gastbeitrag meint Hélène Rey von der London Business School, dass Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 überzogen seien: „Bis jetzt gibt es keine Anzeichen, dass die Subprime-Krise die finanziellen Ressourcen der Unternehmen oder die Realökonomie geschädigt hat.“ Den Banken stehe ein Lernprozess bevor. Dafür müssten aber die Bedingungen geschaffen werden: Viele Finanzprodukte seien noch immer zu undurchsichtig strukturiert und ihr Wert oft nicht ermittelbar. „Hier sind vor allem die Ratingagenturen gefragt: Sie sollten Finanzprodukte nicht nur mit einer Note bewerten, sondern ausführliche Informationen zu ihre Risiken liefern.“

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