Presseschau vom 27.11.2007
Branson, bitte übernehmen Sie

Die internationale Wirtschaftspresse verfolgt das Engagement von Richard Branson bei der angeschlagenen britischen Hypothekenbank Northern Rock. Im US-Magazin Fortune lehnt Dick Cheney staatliche Interventionen als Reaktion auf die Finanzkrise ab. Le Monde malt ein düsteres Bild von Sanofi-Aventis. Fundstück: Shopocalypse now.

Das US-Magazin » Forbes begrüßt die Entscheidung der Northern-Rock-Chefetage, die Virgin-Gruppe des Multimillionärs Richard Branson als bevorzugten Bieter einzustufen – dem Virgin-Konsortium gehören der US-Investor WL Ross & Co, der Hedge-Fonds Toscafund und die First Eastern Investment Group aus Hongkong an. Das Angebot von Virgin, sofort 11 Milliarden der 25 Milliarden Pfund an die Englische Notenbank zurückzuzahlen und außerdem das Geschäft des Instituts mit einer sofortigen Finanzspritze von 1,3 Milliarden Pfund zu unterstützen, sei wesentlich besser als das der Wettbewerber. Durch Virgin werde der Stellenabbau minimiert, außerdem bleibe die Bankenzentrale in Newcastle.

Die » BBC blickt skeptisch auf Virgins Angebot. Branson plane, die Steuergelder binnen zwei bis drei Jahren an die Bank of England zurückzuzahlen. „Wenn es in dieser Zeit eine schwerwiegende Rezession auf dem Immobilienmarkt gibt, könnte es sein, dass wir nicht unser ganzes Geld zurückbekommen“, mutmaßt der britische Sender. In einem solchen Fall sei jedoch auch das Geld, das Branson aus eigener Tasche investiere, perdu. „Mit anderen Worten: Er könnte aus unserer Misere kein Kapital schlagen.“ Unabhängig vom Worst-Case-Szenario sei der Deal noch nicht in trockenen Tüchern, da einer der größten Aktionäre der Bank, der Hedge-Fonds RAB Capital, die Übernahme durch Virgin ablehne. Der Widerstand sei ein „größeres Hindernis“ für Virgin und eine Peinlichkeit für den Northern-Rock Verwaltungsrat.

Dick Cheney zur Finanzkrise

Das US-Magazin » Fortune hat sich mit dem US-Vizepräsidenten Dick Cheney über die Konsequenzen aus der Subprime-Krise unterhalten. Fazit: Während der Druck auf die Regierung wachse, wirtschaftspolitisch gegen die drohende Rezession zu steuern, lehnt Cheney eine staatliche Intervention kategorisch ab. „Die Tatsache ist, dass die Märkte funktionieren. Und dass manche Leute – besonders in großen Firmen – Risiken eingegangen sind. Risiko bleibt Risiko“, erklärt Cheney. Eine Ausweitung des staatlichen Einflusses beschädige langfristig die Wirtschaft. Auf die Frage nach dem von US-Demokraten angeregten Wegfall von Steuererleichterungen besonders für reiche Amerikaner erklärt Cheney: „Dies käme einer Steuererhöhung gleich. Und das würde die Wirtschaft ausbremsen.“ Das US-Steuersystem sei ohnehin „sehr, sehr fortschrittlich“. Das oberste Prozent der Top-Verdiener trage 36 Prozent zum gesamten Steueraufkommen des Landes bei.

Auftakt zum US-Weihnachtsgeschäft durchwachsen

Die » New York Times zieht eine kritische Bilanz des „Black Friday“, des Freitags nach Thanksgiving, der als Auftakt zur Weihnachtseinkaufssaison gilt. Zwar seien die Umsätze insgesamt um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahres-Freitag gestiegen, die Pro-Kopf-Umsätze allerdings gesunken, weil die Konsumenten zunehmend bei Discountern wie Wal-Mart und Best Buy eingekauft hätten. Der Trend zum „trade down“ sei insofern eine „Umkehr“, als in den vergangenen Jahren immer mehr Verbraucher bei Luxus-Outlets wie Ralph Lauren Geld ausgegeben hätten. Mit Blick auf die gesamte Weihnachtssaison rechnet die NYT mit Umsatzrückgängen. Die Ausgaben der Verbraucher würden durch die steigenden Energiekosten sowie sinkende Häuserpreise und den angespannten Kreditmarkt belastet.

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