Presseschau vom 27.9.2007
Schönes, neues Detroit

Die internationale Wirtschaftspresse ist gespalten mit Blick auf die Einigung von Gewerkschaft und GM. Die Financial Times erwartet erste Konflikte beim europäisch-indischen Hochzeitspaar Arcelor-Mittal. Die Times bewundert die französische Finanzministerin Christine Lagarde. China Daily enthüllt, was China mit den billionenschweren Reserven vorhat. Fundstück: Diebe fahren auf den Trabi ab.

Nachdem » Forbes den Arbeitsniederlegungen bei GM gestern etwas Positives abgewonnen hat – der Autobauer könne so seinen Überbestand an Fahrzeugen reduzieren –, zeigt sich das Magazin skeptisch angesichts der Einigung von Gewerkschaft und GM. Beide Seiten seien übereingekommen, die Gesundheits- und Pensionsverpflichtungen in reduziertem Ausmaß auf einen von der Gewerkschaft verwalteten Fonds zu übertragen. Die Bildung eines Fonds, so die Kritik von Forbes, reduziere nicht die Kosten; die Ausgaben blieben die gleichen, unabhängig davon, ob die Gewerkschaft oder GM dafür verantwortlich sei. Forbes nennt weitere Details zum Abkommen: Die Löhne blieben in den kommenden vier Jahren konstant, wobei die Arbeiter jährliche Bonuszahlungen erhielten; das eingesparte Geld wolle der Autobauer in den Ausbau der Fabriken investieren; neue Angestellte sollen weniger Geld verdienen als die bisherigen.

Die » New York Times schreibt, GM könne jetzt nicht mehr die Entschuldigung anbringen, dass die hohen Kosten für die Krankenversicherung den Autobauer daran hinderten, die japanischen Hersteller erfolgreich in den USA zu bekämpfen. Nach Einschätzung von Ana-lysten müsse GM jetzt sein Versprechen halten und ein „Neues Detroit“ errichten, mit nied-rigeren Kosten, schlankeren Fabriken und Autos, die von mehr Kunden gekauft werden. Sollte die Gewerkschaft bei Ford auf einen ähnlichen Abschluss drängen, wachse der Druck für den Autobauer, die Marken Jaguar, Land Rover und Volvo schnell zu verkaufen, weil er rund 17,5 Milliarden Dollar in den Fonds einzahlen müsste. Für Chrysler sei die Si-tuation einfacher: Weil Daimler beim Verkauf von Chrysler die Verantwortung für die Pen-sionszahlungen übernommen habe, könne sich Chrysler wieder zu einem schlagkräftigen Unternehmen entwickeln.

Der » Guardian erkennt in der Einigung „ein gutes Beispiel dafür, wie Tarifrunden funktionie-ren sollten“: Ein Unternehmen mit ernsthaften Kostenproblemen, die seine Wettbewerbsfähigkeit und den Profit einschränken, habe seine Gewerkschaft um Hilfe gebeten – und sie gewährt bekommen. Der vereinbarte Fonds sei für Pensionäre der beste Schutz gegen einen möglichen Bankrott von GM – bei dem ein Insolvenzverfahren ihnen möglicherweise nur 70 Cent pro Dollar lassen könnte. Zu der Aussicht von UAW-Präsident Ron Gettlefinger, die Zahl der GM-Beschäftigten werde zum Ende der Vertragslaufzeit mindestens genauso hoch sei wie heute, schreibt das Blatt: „Das wäre ein fantastisches Ergebnis für eine Gewerkschaft in der am härtesten umkämpften Branche auf dem Planeten.“

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