Presseschau vom 5.8.2008
Die beste Werbung für schiere Größe

Die internationale Wirtschaftspresse zeigt sich vom Stahlriesen Arcelor-Mittal beeindruckt und untersucht dessen Erfolgsstrategien. MarketWatch.com sieht den neuen Motorola-Co-Chef Sanjay Jha auf einem äußerst schweren Posten. Alan Greenspan sorgt sich in der Financial Times Deutschland um die Globalisierung. Fundstück: Geschäftsreisen sind gefährlich.
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"Erstaunliche acht Milliarden US-Dollar Gewinn vor Zinsen, Streuern und Abschreibungen - damit hat Arcelor-Mittal das für das 2. Quartal 2008 gesetzte Ziel locker übertrumpft. Dieser Konzern ist einfach die beste Werbung für schiere Größe", schreibt das indische Wirtschaftsportal Livemint.com tief beeindruckt. Den Erfolg des Tigers unter den Stahlproduzenten - Arcelor-Mittal stehe für ein Zehntel der weltweiten Stahlproduktion -, sei auf drei Faktoren zurückzuführen: Zum einen verfüge der Konzern über eine größere Vermögensbilanz als seine Konkurrenten; er kaufe seine Eisenerz- und Kohlförderer auf - und sichere sich zwei der Rohstoffe, deren Preise sich inflationär entwickeln. "Arcelor-Mittal entzieht sich dadurch geschickt dem Wettbewerb um diese Rohstoffe." Zum zweiten sei die große Reichweite von Vorteil: "Wenn in einer Region die Nachfrage nach Stahl sinkt, kann dies durch den steigenden Absatz in einer anderen kompensiert werden. Hier hilft Arcelor-Mittal sein umfangreiches Netzwerk." Und drittens wuchere das Unternehmen mit dem Pfund "Marktmacht", d.h. mit seiner wachsenden Kaufkraft und der Möglichkeit, die Preise weit über den Kosten festlegen zu können.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht einen Grund für den enormen Schub beim "Kraftprotz Mittal" in der Geschäftspolitik seiner Konkurrenten aus der "Alten Welt". "Thyssen-Krupp und die großen Stahlkocher aus Japan und Korea haben sich nämlich auf hochwertigen Flachstahl konzentriert. Ihre Kunden sind zuvörderst die Automobil-, die Verpackungs- und die Elektroindustrie. Typisch für diese Geschäfte sind aber lange Lieferverträge, in denen Preise und Mengen meist jährlich neu ausgehandelt werden." Zwar verfüge Mittal nach der Übernahme des europäischen Branchenprimus Arcelor nun auch über einen höheren Anteil von Zeitverträgen. Aber in seinem globalen Geschäft dominierten noch immer die Tagespreise. "Deswegen gelingt es Arcelor-Mittal schneller, die seit Jahresbeginn rapide Rohstoffverteuerung an die Kunden weiterzureichen." Zudem nutze der Stahlunternehmer Lakshmi Mittal wie kein anderer die gute Verfassung zum Ausbau der eigenen Rohstoffversorgung - eine Vorsorgemaßnahme für schlechtere Stahljahre.

Mit Wohlwollen registriert das Wall Street Journal, dass ArcelorMittal neben den Plänen für ein 600-Millionen-Dollar-Stahwerk in Mexiko auch die Übernahme einer 160 Millionen US-Dollar teueren Kokerei in Pennsylvania in Betracht ziehe. "Der Stahlproduzent lässt mit seinem verstärkten Engagement in Nordamerika Ängste vor einer US-Rezession locker verblassen", stellt das Blatt neidlos fest. Der Konzern setze bei beiden Investitionen auf die wachsende Rolle, die Mexiko in der Herstellung von Industriegütern spiele, und die Bedeutung der Autoindustrie für den US-Markt. Das mexikanische Werk werde hauptsächlich Stahl für die Bau- und die Autoindustrie herstellen und das Regierungsprogramm zur Verbesserung der Infrastruktur und der Wohnsituation der Bevölkerung unterstützen. Die Kokserei in Pennsylvania sei ein Beispiel dafür, dass ArcelorMittal gern Rohstoffproduzenten erwerbe, um unabhängiger vom Rohstoffmarkt und seinen Preisschwankungen zu sein.

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