Presseschau vom 7.11.2007
Nightmare on Wall Street

Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die weltweiten Auswirkungen der Finanzmarktkrise. Forbes schimpft über die „Dummkopfs“ in der deutschen Regierungskoalition. Die New York Times liest den Führungswechsel bei der Citigroup als Shakespeare-Geschichte. Fundstück: Die taz befürchtet einen „StreikStreik“ der Lokführer.

Der » Independent greift die gestrige Rede von Mervyn King, Gouverneur der Bank of England, auf, der davon ausgeht, dass sich das wahre Ausmaß der Finanzkrise erst in ein paar Monaten zeigen werde, wenn alle Banken ihre Verluste enthüllt haben. „Keiner weiß, wo die Körper begraben sind, (...) aber es gibt sie, und es sind viele: zweitklassige Kredite, wertlose Sicherheiten und überbewertete Assets, alle sicher deponiert, weit weg von den Bilanzen der Banken. Begraben – aber nicht tot“, gruselt sich das Blatt. Jetzt kämen die „finanziellen Zombies“ wieder ans Tageslicht, und trotz der Versicherungen britischer Behörden gehe die Jagd nach dem nächsten Opfer weiter. „Barclays? Alliance & Leicester? Royal Bank of Scotland?“ Außerdem sei ein „dramatischer Effekt“ durch den Rückgang der Verbraucherkredite zu erwarten, da die Ausgaben für Konsumgüter zwei Drittel der britischen Wirtschaft ausmachten. „Es könnte ein schreckliches Jahr werden. Die Schmerzen der Banker müssen wir alle teilen“, erwartet die Zeitung.

Nach Einschätzung der » Taipei Times ist die Krise auf den Finanzmärkten die schlimmste seit mindestens 30 Jahren. „Das liegt nicht nur daran, dass ihre Auswirkungen – wegen der neuen Verbindungen auf dem globalen Finanzmarkt – auf der ganzen Welt zu spüren sind. Außerdem zeigt sich, dass die Behörden, besonders in Großbritannien und den USA, die Kontrolle verloren und nicht die Mittel haben, diese so schnell wieder zu gewinnen, wie wir es uns erhoffen“, analysiert die Zeitung. Das System könne vielleicht mit einem Schock fertigwerden, sei aber zweifelsohne zu fragil, um viele simultane Schocks zu absorbieren. „30 Jahre lang hat man uns eingeredet, dass es nicht die Aufgabe des Staates sein kann, sich in das (...) System der freien Marktwirtschaft einzumischen. In diesem Jahr meldet sich die Realität mit aller Macht wieder zurück“, lautet die Zwischenbilanz des Blattes.

Erste Anzeichen für eine beginnende Immobilienkrise glaubt » Le Monde zu erkennen: Die Zahl der Transaktionen sei im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 Prozent zurückgegangen, die Immobilienpreise hätten um bis zu sieben Prozent nachgegeben – einzig Paris sei vom Abwärtstrend verschont geblieben. Außerdem prognostizierten Insider, dass die Preise für Altbauten Anfang 2008 um weitere fünf Prozent nachgeben könnten. Die Gründe sind nach den Recherchen der Zeitung jedoch hausgemacht: Die zuletzt hohen Zinsen und die zögerliche Kreditvergabe der Banken hätten den Zugang der Franzosen zu Haus- und Grundstückseigentum deutlich erschwert.

Nach der jüngsten Hiobsbotschaft, dass die US-Immobilienkrise nach Japan herüberschwappt, legt die » Financial Times weitere beunruhigende Zahlen vor: Der führende Index des Inselstaates, der Werte zu Wirtschaft, Innovation und Konsum zusammenführt, ist erstmals seit zehn Jahren auf Null gesunken. Wirtschaftsvertreter bestätigten gegenüber dem Blatt, dass sich die „allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen seit dem Sommer verschlechtert“ hätten. Die in den vergangenen fünf Jahren angehäuften Gewinne hätten kaum dazu beigetragen, den Konsum anzukurbeln, da Arbeiter und Angestellte nicht in Form von höheren Löhnen davon profitiert hätten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Japan nun in eine Rezession schlitter, sei eins zu vier. Obwohl einige Ökonomen die Glaubwürdigkeit der Prognose bezweifelten, habe die japanische Regierung reagiert und ihr Budget um 23 Prozent (entspricht 480 Millionen Dollar) erhöht.

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