Presseschau vom 7.4.2008
Der Kampf der Währungen

Die internationale Wirtschaftspresse wähnt Dollar und Euro in einem „Kampf der Währungen“ – und sagt wahlweise das Ende des einen oder anderen voraus. Der britische Telegraph sorgt sich um Irlands Wirtschaft. Die Financial Times Deutschland glaubt, dass Microsoft und Yahoo nur gemeinsam überleben können. Fundstück: Känguru-Pupse sind sauber.

Nicht weniger als das Ende des Euro sagt » Forbes voraus: „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, vielleicht noch drei Jahre. Dann werden Länder wie Spanien und Italien zu ihren alten Währungen zurückkehren – und D-Mark und französischer Franc werden nicht lange auf sich warten lassen“, schreibt das Magazin in einem polemischen Meinungsartikel. Diese Entwicklung sei absehbar, weil sich die Spannungen zwischen dem Deutschland-Block (inklusive Österreich, Luxemburg und Niederlande) und dem Latein-Block (Frankreich, Spanien und Italien) dramatisch zuspitzten. Die einen hätten Angst vor der „nicht existenten“ Inflation und wollten, dass die Europäische Zentralbank ihren harten Kurs weiter verfolge, die anderen forderten von der EZB, die Leitzinsen zu senken. „Insider sehen zunehmend schwarz für die europäische Währung. Ohnehin hat die Eurozone nie wirklich existiert, sie ist ein Konstrukt aus den Köpfen von Politikern und Bürokraten.“ Forbes rät Investoren, wieder graduell in den Dollar zu investieren und Anlagen in Euro abzustoßen.

Die » Washington Post hält dagegen, das vielmehr der Dollar und mit ihm Amerikas Hybris vor dem Niedergang stehe. „Noch können wir die grüne Dollarnote als Symbol für die Stabilität des internationalen Finanzsystems feiern. Doch der Boden unter unseren Füßen wankt bereits.“ Nicht der Abgang George W. Bushs aus dem Weißen Haus im nächsten Jahr werde der Grund für den Niedergang sein, wohl aber Bushs Politik, der einst angetreten sei, Amerika in seinen Ambitionen und Ideen noch größer und stärker zu machen – diese Träume aber vollkommen in den Sand gesetzt habe. „Nun kämpft die Fed mit allen Mitteln, damit die Märkte in Amerika und Europa nicht zusammenbrechen. Doch letztlich übt sie damit noch mehr Druck auf den Dollar als Handelswährung aus.“

Auch die » Japan Times fragt sich, welche Währung in Zukunft die globale Wirtschaft maßgeblich bestimmen könnte. Im Moment gäbe es zum Dollar, trotz seiner Schwäche, keine Alternative, ist sich das Blatt sicher. Der chinesische Yuan hätte das Potenzial, den Dollar in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zu ersetzen, doch „Chinas drakonische Kapitalkontrollen und massive finanzielle Repressionen“ disqualifizierten ihn. Einzig ernsthafte Konkurrenz sei der Euro. Seine Stärke bestehe darin, dass die EU wirtschaftlich größer sei als die USA, doch er habe auch Schwächen. So seien Europas Banken zu sehr gefangen in einem „Flickwerk aus nationalen Behörden“. Und die Tatsache, dass es noch keine einheitliche europäische Finanzpolitik gäbe, sei ein signifikanter Unsicherheitsfaktor. Doch der Euro „könnte vielleicht bald eine brauchbare Alternative zum Dollar sein.“

Der Spiegel blickt voraus auf die für Ende dieser Woche geplanten Gespräche zwischen den Finanzministern und Notenbankpräsidenten der G 7-Staaten. In seiner heutigen Ausgabe zitiert das Magazin vorab aus einer Ministervorlage für Finanzminister Peer Steinbrück, in der Experten trotz der anhaltenden Dollar-Schwäche von Interventionen zugunsten der US-Währung abraten. Der Grund: Interventionen am Devisenmarkt seien „kaum noch in der notwendigen Größenordnung finanzierbar“. Auch von der Möglichkeit, der Dollar-Schwäche mit einer Zinssenkung der EZB zu begegnen, hielten die Experten offenbar nicht viel. „Damit würde zwar der Abstand zwischen europäischen und amerikanischen Zinsen geringer. Als Folge würde der Euro weniger attraktiv für Anleger“, schlussfolgert das Magazin.

Seite 1:

Der Kampf der Währungen

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%