Presseschau vom 8.10.2007
Die Banken greifen an

Die internationale Wirtschaftspresse bilanziert die vorerst beendete Übernahmeschlacht um ABN Amro. Die New York Times sieht Citigroup-Boss Charles Prince in der Bredouille. Der Spiegel rät dem „US-Finanz-Cowboy“ Guy Wyser-Pratte, die Finger von Tui zu lassen. Fundstück: London feiert Gabriele Pauli.

Nachdem die britische Großbank Barclays im Anschluss an einen sechsmonatigen Übernahmekampf ihr Angebot für die niederländische Konkurrenzbank ABN Amro zurückgezogen und dem Konsortium um die Royal Bank of Scotland das Feld überlassen hat, stellt » Le Monde für den Barclays-Chef John Varley eine Agenda auf: Varley habe keine Zeit, sich zu langweilen, schließlich müsse er rasch die durch die weltweite Kreditkrise entstandenen Probleme in der Investmentbanking-Sparte Barclays Capital lösen. Außerdem müsse er den Binnenmarkt genau beobachten, der durch eine mögliche Abschwächung der britischen Konjunktur bedroht werde. Um sich mittelfristig davor zu schützen, „das Opfer eines Raubtieres“ zu werden, müsse Varley einen Expansionskurs einschlagen – besonders deutsche Regionalbanken seien mögliche Übernahmeziele.

„Das zukünftige Ansehen von Fred Goodwin wird besonders von seiner Leistung bei der Integration abhängen“, ahnt der » Daily Telegraph mit Blick auf den RBS-Chef. Die Cost-Income-Ratio (Betriebsaufwendungen in Prozent der Betriebserträge) von ABN liege mit fast 90 Prozent ziemlich hoch, während die Kennziffer bei RBS nur bei 40 Prozent liege. „Wenn RBS etwas von seiner Effizienz bei ABN einführen kann, besteht die Chance auf einen Wandel der niederländischen Geschäfte“, schreibt die Zeitung.

Die » Süddeutsche Zeitung zögert, der Royal Bank of Scotland zum Sieg im Übernahmekampf zu gratulieren. Die größte Bankübernahme in der Geschichte könnte ein „Pyrrhussieg“ sein. Die traditionsreiche niederländische Bank zu zerschlagen sei kompliziert und risikoreich und habe wahrscheinlich für tausende ABN-Beschäftigte den Verlust ihrer Arbeitsplätze zur Folge. „Das größere Problem ist, dass das siegreiche Konsortium bislang keine schlüssige Strategie für die Zukunft hat.“ Die Übernahmeschlacht müsse auch eine Warnung für deutsche Bankmanager sein: „Konkurrenten lauern darauf, schwächelnde Institute mit allen Mitteln anzugreifen. Insofern haben Barclays und die Royal Bank of Scotland mit ihrem monatelangen Kampf um ABN Amro ein Lehrstück für die Branche geliefert.“

Unter den Vorständen von Banken rund um den Globus könne sich niemand mehr sicher fühlen, schreibt die » Welt. Doch es sei zu früh, in den nächsten Monaten nun eine Welle von Nachahmer-Transaktionen zu erwarten. „Viele Interessenten werden zunächst einmal den Ausgang einer weiteren Premiere abwarten. Noch nie wurde eine Bank dieser Größenordnung zerschlagen und unter drei Kreditinstituten aufgeteilt. Geht dies schief, dann bleibt ABN Amro eine Ausnahme.“

Seite 1:

Die Banken greifen an

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%