Presseschau von 25.4.2008
Die eiligen drei Könige

Die Wirtschaftspresse ist uneins, ob die VW-Hauptversammlung ein Erfolg oder eine Niederlage für Wendelin Wiedeking, Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche war. Laut Le Monde hat Nicolas Sarkozy im ersten Jahr die Mission aus den Augen verloren. Newsweek verfolgt Murdochs Krieg gegen die New York Times. Salon.com fordert: Verstaatlicht die Ratingagenturen! Fundstück: Fundstück: Millionenspiel mit Pizza und Sex.

Die » Süddeutsche Zeitung lässt die gestrige VW-Hauptversammlung Revue passieren, auf der sich Gewerkschaften und das Land Niedersachsen sowie der Autohersteller Porsche unversöhnlich gegenüber gestanden hätten. Der Einfluss der Politiker auf Unternehmen sei inzwischen zu einem Wahlkampfthema geworden. Der Botschaft der Politiker, mit ihrer Hilfe ließen sich Arbeitsplätze sichern und Unglücksfälle wie bei Nokia vermeiden, halten die Münchner entgegen, dass die Politik meist keinen segensreichen Einfluss auf die Wirtschaft habe: „Dass der große VW-Konzern von dem Winzling Porsche so billig gekauft werden kann, der jetzt bei der VW-Belegschaft Angst und Schrecken verbreitet, ist die Folge der unguten Koalition aus Politik und IG Metall bei VW. Die sorgte lange dafür, dass die Rentabilität von VW weit niedriger war als bei der Konkurrenz.“

Die » Financial Times Deutschland hat auf der Hauptversammlung eine „Krönungsmesse“ gesehen: „Die Arbeitnehmer mögen zetern und Wulff noch so viele Gegenanträge stellen – Volkswagen, einst Teil des Königreichs Hannover, hat neue Herrscher. Das Erbe haben angetreten: Wendelin Wiedeking, Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche.“ Schon längst hätten sie mit raschem Schritt die Macht von innen übernommen – ob bei neuen Modelle, der Ökobilanz oder im Vertrieb, überall redeten die Porsche-Manager mit. Beim Aktionärstreffen habe VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch – „reglos, ohne Gefühl in Augen und Gesicht“ – eine Antwort nach der anderen heruntergenäselt, „wie ein Monarch, der, ohne aufzublicken, einen Stapel Dekrete abarbeitet.“

Für die » Neue Zürcher Zeitung ist der Ausgang der VW-Hauptversammlung entgegen der FTD ein harscher Rückschlag im Bestreben von Porsche, die Führung bei Volkswagen zu übernehmen. Die Regierung des Bundeslandes Niedersachsen habe ihren Sondereinfluss im Unternehmen verteidigt, da es weiterhin alle wichtigen Entscheidungen der Hauptversammlungen blockieren könne. Nun werde sich „der forsche Porsche-Chef Wiedeking“ mit der bedächtigen Volkswagen-Kultur arrangieren müssen. „Die Führungsverantwortung bleibt unklar, weshalb die Interessenkonflikte der Familien Porsche und Piëch weiterhin stören.“ Zwar laufe es derzeit bei VW leidlich gut, doch in schwierigeren Zeiten seien scharfe Konflikte zwischen den Standortinteressen von Politik und Gewerkschaft sowie dem Unternehmensinteresse programmiert. „Gegensätzlich können auch die Interessen bei der Steuerung der Investitionen sein. Die Leidtragenden des politischen Einflusses werden immer die gewöhnlichen Aktionäre sein.“

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