Presseschau von 3.3.2008
Sweet Home Alabama

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den Militärauftrag, den der europäische Flugzeugbauer EADS in den USA erhalten hat. Im Spiegel regt sich Josef Ackermann über die Manager-Schelte auf. Der Economist kritisiert den Populismus von Barack Obama und Hillary Clinton bei wirtschaftlichen Themen. Fundstück: Deutschland profitiert von der Polschmelze.

Die französische Presse kommentiert euphorisch den Militärauftrag, den der europäische Flugzeugbauer- und Rüstungskonzern EADS in den Vereinigten Staaten erhalten hat. Dass EADS ab 2013 179 Tankflugzeuge für die US-Air Force liefern soll (Auftragswert: 30 bis 40 Milliarden Dollar), sei eine große Überraschung, schreibt » L'Expansion – und zugleich ein herber Rückschlag für den Konkurrenten Boeing. „EADS hat einfach das beste Angebot vorgelegt“, ist das Blatt überzeugt.

» Le Parisien sieht in dem Zuschlag für EADS vor allem einen Sieg über den amerikanischen Protektionismus. „Natürlich sind sofort US-Politiker ihrer Industrie zu Seite gesprungen“, berichtet das Blatt. Schockiert hätten sich diese gezeigt, weil nun 100.000 Jobs in den USA verloren gehen könnten, vor allem aber angesichts der Tatsache, dass ausgerechnet Europa – das sich im Kampf gegen den Terrorismus so wenig kooperativ gezeigt habe – nun den Zuschlag bekommen habe. „Doch war das nicht auch nur eine Form von Protektionismus?“, fragt die Zeitung polemisch in Richtung Amerika zurück.

Die britische » Financial Times meint, dass der Verlust des Auftrags besonders nach den Verzögerungen beim 787 Dreamliner für Boeing ein weiterer „unwillkommender Rückschlag“ sei. Noch sei jedoch nicht alles verloren: Die US-Luftwaffe wolle möglicherweise 500 weitere Lufttanker bauen lassen. „Trotz der Verrücktheit, zwei verschiedene Tankflugzeuge in der Luft zu haben, könnten die Forderungen, den richtig großen Auftrag Boeing zu geben, in einem Wahljahr immer lauter werden“, vermutet die FT.

Im Interview mit der » Welt kündigt Airbus-Chef Tom Enders an, dass sich das Unternehmen künftig industriell in den USA fest etablieren soll. „Wir werden dort künftig nicht nur Airbus-Flugzeuge verkaufen, sondern auch produzieren und zwar sowohl militärische als auch zivile.“ Airbus werde damit auch eine amerikanische Firma mit Alabama als „Home Base“. Der Auftrag werde keine negativen Auswirkungen auf europäische Airbus-Standorte haben. „Im Gegenteil, für unsere Werke in Europa bedeutet dieser Auftrag sogar zusätzliche Arbeit. Amerika bekommt eine neue Endmontagelinie für Großflugzeuge – das erste neue Werk dieser Art in den USA seit 40 Jahren. Dieser Auftrag ist also gut für Arbeitsplätze und Hochtechnologie auf beiden Seiten des Atlantiks. Beide Seiten profitieren davon.“

Für die » FAZ ist der Militärauftrag eine „Sensation“, die niemand erwartet habe. „Für den bisherigen Hoflieferanten Boeing ist der EADS-Triumph ein Erdbeben.“ Die Amerikaner würden daher nichts unversucht lassen, den Zuschlag für EADS rechtlich anzufechten – und dies sei mehr als nur ein theoretischer Vorbehalt. Vor dem Hintergrund, dass die US-Militärs das Auftragsvolumen für EADS auf mehr als 100 Milliarden Dollar ausbauen könnten, sei der Erfolg für die in den vergangenen Jahren von Entwicklungspannen und der Dollarschwäche gebeutelte EADS ein „Befreiungsschlag“ – das Unternehmen sei zurück in der Offensive.

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