Presseschau zu den US-Vorwahlen am „Super Tuesday“
Vereint in Uneinigkeit

Für die internationale Wirtschaftspresse sind Hillary Clinton und John McCain nur scheinbar die Sieger der Vorwahlen in 24 US-Bundesstaaten. Während den Demokraten nun eine Identitätskrise drohe, könnten die Erz-Konservativen bei den Republikanern einen Aufstand gegen John McCain anzetteln.

Das » Wall Street Journal sieht nach den Vorwahlen am Super Tuesday besonders die Demokraten in der Bredouille. Der Kampf zwischen Barack Obama und Hillary Clinton führe zu einer klaren Trennung zwischen Schwarzen und Weißen, Hispanics und Non-Hispanics, Frauen und Männern sowie jüngeren und älteren Wählern: In Georgia, wo die Hälfte der demokratischen Wähler Afro-Amerikaner gewesen seien, hätten 80 Prozent für Obama gestimmt; in Kalifornien hätten zwei Drittel der Hispanics für Clinton gestimmt; grundsätzlich votierten besonders ältere Frauen für Clinton. Die Trennung erschüttere die Partei in ihren Grundfesten: Ihre Identität liege traditionsgemäß darin, Rassen und Geschlechter zu vereinen.

Nach Einschätzung des britischen » Guardian hat John McCain zwar im Lager der Republikaner die wichtigsten Preise abgeräumt, darunter New York, New Jersey, Illinois, Missouri und besonders Kalifornien. Dennoch könne er mit diesem Ergebnis die Zweifler in seiner Partei nicht ruhigstellen. Die Unruhe in der Partei werde durch die Überraschungssiege von Mike Huckabee in den südlichen Staaten wie Georgia, Tennessee, Alabama und Arkansas verschärft – McCain habe es offenbar bislang nicht geschafft, die Evangelikalen, Sozial-Konservativen und die anderen Gruppierungen unter seinen Kritikern zu überzeugen. Für viele Konservative sei McCain zu moderat und zu sehr darum bemüht, mit den demokratischen Liberalen im Senat zusammenzuarbeiten. In den kommenden Monaten komme es für ihn darauf an, sich nicht zu stark zur rechten Seite zu beugen, um die Hardcore-Konservativen zu ködern und seine Nominierung zu sichern – dann nämlich würde er die jüngeren und unabhängigeren Wähler vor den Kopf stoßen und in das Clinton- oder Obama-Lager verjagen.

Die » New York Times glaubt, dass Hillary Clinton ihren parteiinternen Wahlkampf in eine neue Richtung lenken wird: Der Subtext ihres Appells an die demokratische Basis habe sich von „Ihr seid mir etwas schuldig“ über „Bill schuldet mir etwas, und ihr seid ihm etwas schuldig“ zu „Obami wird beim ersten Schlag von Rechts einknicken“ gewandelt. „Weil sie den Hass und die Körpertreffer der bösen Republikaner jahrelang eingesteckt habe, ist sie die beste Kandidatin, um noch mehr Hass und Körpertreffer von den bösen Republikanern zu absorbieren“, zeichnet das Blatt Clintons Argumentation nach. Nicht umsonst habe Jack Nicholson sie als „besten Mann für den Job“ empfohlen. „Wenn Obama noch Präsident werden will, muss er den Drachen ermorden. Und sein Drache ist Clintons-Angriffsmaschine“, schreibt die NYT.

„Hillary Clinton scheint den Hauptpreis dieses Super Tuesday nach Hause zu schleppen“, meint die niederländische » Volkskrant: In Kalifornien habe sie einen großen Vorsprung vor ihrem Rivalen Obama herausgearbeitet. Auch in Massachusetts triumphiere Clinton, zur Überraschung der Zeitung: „Dort hatten die Senatoren John Kerry und Edward Kennedy quergeschossen, denn sie unterstützten Obama“. Der Republikaner McCain profitiere derzeit von seinem gemäßigten Denken und seinen unabhängigen Freunden, während Wettbewerber Romney die Wähler anziehe, denen McCain nicht konservativ genug sei.

Seite 1:

Vereint in Uneinigkeit

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%