Presseschau zum G20-Gipfel
G20: Elektroschock für die Wirtschaftswelt

Die internationale Wirtschaftspresse zeigt sich größtenteils zufrieden mit den Ergebnissen des Weltfinanzgipfels in London. Applaus erntet besonders die Stärkung des Internationalen Währungsfonds. Kritische Stimmen aus den USA und der Schweiz monieren den zahmen Auftritt von Barack Obama und die populistische Attacke gegen Steueroasen und Bankgeheimnis.

Die Teilnehmer des Weltfinanzgipfels in London haben sich unter anderem darauf geeinigt, die ärmsten Länder und den Welthandel mit mehr als 1000 Milliarden Dollar zu unterstützen und Hedge-Fonds stärker zu regulieren. Außerdem sollen Steueroasen trockengelegt werden. Zwar könne Gordon Brown nach dem Gipfel nicht behaupten, die Welt gerettet zu haben, schreibt die britische Financial Times. „Dennoch werden Historiker den Gipfel als Moment festhalten, in dem die Welt mitten in den Geburtswehen der ökonomischen und geopolitischen Umwälzungen einen ersten, schwierigen Blick in den Spiegel warf.“ Die so genannte Gruppe der 20 – der Kommentator habe 29 Delegationen an der Tafel von Downing Street 10 gezählt – sei aber ein schwerfälliges Gremium, das durch seine Reichweite Legitimität erhalte, auf Kosten jedoch der operativen Effizienz. Eine kleinere Gruppe aus 15 Nationen wäre besser aufgestellt, so die FT. Im kommenden Jahrzehnt werde besonders das sino-amerikanische Verhältnis eine „außergewöhnliche Staatskunst“ auf beiden Seiten erfordern, während Europa noch seinen Weg aus dem „Zustand der Verdrängung“ finden müsse. Die Risse und Brüche zwischen den Ländern seien nicht bei einem oder drei Gipfeltreffen zu kitten. Doch der Blick in den Spiegel sei ein guter Anfang, um eine neue globale Weltordnung zu konstruieren.

Die wichtigste Botschaft aus London ist für Les Echos, dass der G20-Gipfel nicht gescheitert sei. Die Teilnehmer hätten das Schlimmste verhindert: Ihre Spaltungen und Egoismen in aller Öffentlichkeit vorzuführen. Zwar sei dies nicht der Auftritt einer neuen Weltregierung gewesen, meint die französische Zeitung; viel gewonnen worden sei jedoch allein dadurch, dass Barack Obama einen Teil des amerikanischen Imperiums zugunsten eines multilateralen Ansatzes aufgegeben habe. Die Erweiterung des „Vorstands“ der Mächtigen sei dadurch selbstverständlich geworden, dass jede Nation der Welt einen der Schlüssel für den Aufschwung besitze. Das abschließende Gruppenfoto der G20 solle wie ein „Elektroschock“ wirken, der das Vetrauen der Wirtschaftsakteure wiederzubeleben versuche.

Der Economist lobt die Kapitalaufstockung beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und die dadurch gewährleistete Hilfestellung für Entwicklungsländer. Nach Schätzungen müssten ärmere Länder allein in diesem Jahr 1,4 Billionen Dollar an Schulden abtragen, in einer Situation, in der die westlichen Gläubiger ihr Geld horteten. „Diese Länder haben viel weniger fiskalischen Raum für Manöver als reiche Wirtschaften. Dies sind aber auch Regionen der Welt, in denen das Wachstum schnell wieder anziehen könnte, weil die Haushalte nicht durch erdrückende Schulden heruntergezogen werden, die für Amerika und Europa typisch sind“, begründet der Economist die Hilfe für die Entwicklungsländer.

In seinem Blog für die New York Times schreibt Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, dass das Ergebnis von London besser ausfalle als erwartet – und verweist besonders auf die bessere Ausstattung von International Financial Institutions (IFIs), die kleineren Ländern mit Währungskrise helfen könnten. „Ein Wendepunkt? Nein. Aber realistischerweise muss man sagen, dass die meisten großen internationalen Treffen nichts hervorbringen. Dieses hat etwas Bedeutendes geschaffen.“

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