Sentix Marktradar
An der Börse regiert die Unsicherheit

Der Aktienmarkt verbleibt im Vakuum. Fehlende Angst aber auch mangelnde Zuversicht lassen die Irritation nach oben schnellen. Anleger hoffen auf eine Richtungsentscheidung. Bei Bankaktien ist die bereits gefallen.  
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FrankfurtDer kurzfristige Optimismus, der noch in der Vorwoche im Aktienmarkt vorherrschte, ist schnell wieder gewichen. Doch für die Ausbildung von Angst reichen die Nachrichten und die Umfeldbedingungen anscheinend noch nicht. Der Markt hofft immer noch auf weitere Liquiditätsspritzen der Fed im Rahmen eines dritten Quantitative Easing, auf die Anhebung der US Schuldenobergrenze, auf einen besonderen Beschluss zur Lösung der Schuldenkrise in Europa und auf die Region „Asien“ als Retter vor einer Wirtschaftsabkühlung.

Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, doch Zuversicht sieht leider auch anders aus. Wenn die mittelfristigen Perspektiven fehlen, fällt es den Anlegern schwer, antizyklisch Positionen aufzubauen. Das mittelfristige Stimmungsbild bleibt demnach verhalten und hinterlässt ein Vakuum, das nach Auflösung fleht.

Dies erzeugt Unsicherheit beim Investor. Diesen Gefühlszustand kann ein Anleger nicht allzu lange erdulden. Bis dato scheuen sich die Investoren zu den wachsenden Problemen klar Stellung zu beziehen, sodass die gemessene Irritation – ein Spiegelbild der sentix Neutrality Indizes - am Markt deutlich steigt. Ein 5-Jahreshoch in diesem Indikator spricht Bände.

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der neutralen Investoren im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind und damit neue Trends auslösen.

Eine Triebfeder hinter der gestiegenen Irritation sind die diametral unterschiedlichen Branchenentwicklungen. So quittieren die Anleger die Entwicklung im Automobilsektor mit Bestnoten. Die Deutschen lieben bekanntlich ihre Autos. Die Liebe geht neuerdings weit über den eigenen Besitz hinaus und verlagert sich auf die gesamte Automobilindustrie. Seit 2001 war die Stimmung für diesen Sektor nie so positiv.

Komplett anders sieht es im Finanzsektor aus. Im Juli wird im Bankensentiment der Negativrekord des Vormonats nochmals getoppt. Die Charts von Bankaktien sehen teilweise verheerend aus. Was bleibt ist eine sehr einseitige Wahrnehmung, die im Falle „ungewöhnlicher politischer Maßnahmen“ ein hohes Positionsrisiko in sich birgt. Damit ist auch für die nächsten Tage Spannung vorprogrammiert. Das Vakuum am Aktienmarkt wird sich in Kürze sicher auflösen und etwas mehr Gewissheit für die Anleger bringen.

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