Sentix Marktradar
„Die Krise ist nicht weg, sondern nur vergessen“

Die Stimmung der Anleger hellt sich zwar auf, sie sehen nicht mehr ganz so schwarz für die Entwicklung der Aktienmärkte wie zuletzt. Doch die Gefahr ist noch lange nicht gebannt.
  • 1

DüsseldorfDie Kurse steigen und damit auch die Laune der Investoren. Endlich, möchte man meinen, nach all den Wochen voller Trübsinn und ansteigenden Vertrauensverlusts. Die mittelfristige Stimmung der Anleger ist in der vergangenen Woche um fünf Prozent angestiegen. Das zeigt der Sentix Marktradar. Das Analysehaus befragt wöchentlich 3.500 Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer. Die aktuelle Umfrage zeigt, dass es wieder mehr Marktteilnehmer gibt, die mit Blick auf die kommenden Wochen positiv für deutsche Aktien gestimmt sind. Ist das bereits die Wende? Geht es weiter aufwärts an den Märkten?

Patrick Hussy bremst die Euphorie: „Mehr als ein kleines Fünkchen Hoffnung ist daraus im Moment noch nicht abzuleiten – auch wenn der negative Trend der vergangenen Wochen erst einmal gestoppt ist“, sagt der Sentix-Experte. „Die mittelfristige Stimmung liegt nun auf der Nulllinie – Bullen und Bären halten sich somit die Waage.“ Der deutsche Aktienmarkt werde sich jetzt zwischen 6.600 und 6.700 Punkten beweisen müssen. „Gelingt dem Dax ein nachhaltiger Anstieg, könnte das Vertrauen der Anleger sich dauerhaft festigen, bei einem Dax-Stand unter 6.600 Punkten dürfte es aber schwierig bleiben.“ Schlimmer noch, dann rechnet er mit weiter fallenden Kursen.

Ein Grund für seinen Pessimismus ist der „Sentix Time Differential Index“, der die Differenz der mittelfristigen Wertwahrnehmung und der kurzfristigen Stimmung berechnet. Dieser Index notiert nahe Null und ist damit neutral.  Für Hussy kein gutes Zeichen.  „Beachtlich ist, dass bei Anlegern mit den Kursplus zum Wochenausklang keine Jubelstimmung aufgekommen ist, und das obwohl etwas an mittelfristigem Vertrauen aufgebaut wurde“, sagt er. „Der relativ neutrale Wert des Time Differential Index ist ein Hinweis darauf, dass Anleger den aktuellen Kursanstieg nicht verstehen und ihm auch nicht trauen.“ Sie wollen gute Argumente präsentiert bekommen, um wieder in Risikoanlagen wie Aktien zu investieren.

Für Verunsicherung sorgen auch die Dissonanzen an den Märkten, ist Hussy überzeugt. Während die deutschen Aktien beispielsweise ansprangen, weiteten sich die Risikoaufschläge für Anleihen aus Italien oder Spanien aus. „Die Krise ist nicht weg, sondern nur für einige Stunden vergessen oder verdrängt“, so Hussy. Die aktuelle Lage erinnert ihn an den vergangenen Sommer. Auch damals wurden Krisenherde über Wochen ignoriert. Als sie wieder ins Bewusstsein der Anleger drangen, ging es an den Börsen empfindlich abwärts.

„Anleger, die auf eine selektive Welt bauen und glauben, Deutschland wäre eine Insel der Glückseeligen, dürften dies auf kurz oder lang bereuen“, so Hussy. Er erwartet, dass die Konjunkturindizes für Deutschland – demnächst kommen der ZEW und der Ifo-Index – schwächer ausfallen werden. Und das könnte für Turbulenzen an den Märkten sorgen.

Seite 1:

„Die Krise ist nicht weg, sondern nur vergessen“

Seite 2:

Das Vertrauen in die Märkte muss zurückkehren

Kommentare zu " Sentix Marktradar: „Die Krise ist nicht weg, sondern nur vergessen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Die Gefahr ist noch lange nicht gebannt". Was für eine Aussage.

    Da leihen wir lieber einem kriminellen Staat durch den Kauf von Bundesanleihen Geld, bei Negativzinsen und einer Inflationsrate von 5 %.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%