Sentix Marktradar
Lichtblick oder Täuschungsmanöver?

Mit dem Jahresbeginn zeigen sich erste Lichtblicke für die gescholtenen Aktienmärkte. Vor allem mittelfristige Aktienmarkterwartungen machen von sich reden.
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Zum Jahresbeginn zeigen sich erste Lichtblicke für die gescholtenen Aktienmärkte. Nachdem bereits Anfang Januar die sentix Konjunkturindizes eine frühe Indikation für eine Stabilisierung der globalen Konjunkturerwartungen sendete, sind es nun die mittelfristigen Aktienmarkterwartungen, die von sich reden machen.

Anfang des Jahres notierten wir in den sentix Konjunkturindizes für fast alle Weltregionen bessere Erwartungswerte. Nach mehrmonatiger Talfahrt waren damit erste Lichtblicke für die globale Konjunktur zu vermelden. So gesehen mag zwar der heutige ZEW-Index die meisten Analysten auf dem falschen Fuß erwischt haben, aber bei Kenntnis der sentix Indizes handelt es sich eigentlich „um einen alten Hut“. Dieser positiven Indikation folgt nun ein deutlicher Anstieg der mittelfristigen Aktienmarkterwartungen. Diese stellen die Wertwahrnehmung der Investoren dar.

Ein Anstieg bedeutet, dass Investoren, wohl auch wegen der konjunkturellen Lichtblicke, wieder mehr „Wert“ in Aktien erkennen. Dies dürfte auf Sicht das Anlageverhalten verändern. Die in den letzten Monaten dominierende Strategie „Sell on strength“ (Verkauf in Stärke) dürfte sich in ein „Buy on dips“ (Kauf in Schwäche) wandeln.

Ein solcher Wechsel vollzieht sich jedoch graduell. Zumal wir gerade einmal die Null-Linie in diesem Index erreichen. Erfahrungsgemäß muss der entsprechende sentix Index deutlich ins Positive drehen, um nachhaltige Wirkung zu entfalten. Der Stimmungsumschwung ist deshalb auch nicht gleichbedeutend mit einem unmittelbar zu erwartenden Kursfeuerwerk auf kurze Sicht. Dies wird auch durch einen Blick auf den Jahreswechsel 2008 / 2009 deutlich, an dem wir eine fast identische Stimmungslage zu heute messen konnten.

Auch damals drehten die Konjunkturerwartungen sowie die mittelfristigen Aktienmarkterwartungen ins Positive. Und dennoch wurde im März 2009 nochmals ein Tief markiert. Die ungelöste Euro-Krise und die Vielzahl an „politischen Ereignissen“ bis zum Frühjahr sollten Investoren nicht dazu verleiten, es an der nötigen Vorsicht walten zu lassen. „Kauf in Schwäche“ kann ein guter Ratgeber sein, aber es bedeutet nicht, einer Rallye hinterherzujagen.

Dies wird auch beim Blick auf den Euro-Wechselkurs deutlich. Hier ist von einer nachhaltigen Erwartungsänderung nichts zu sehen. Die Anleger differenzieren demnach. Vielleicht ist dies auch ein Zeichen dafür, dass die bessere Aktienstimmung zumindest zum Teil nicht auf wirklich bessere Umfeldbedingungen zurückzuführen ist, sondern die steigenden Preise den Anlegern lediglich als Begründung dienen. Das wäre der aktuelle Kursaufschwung ein gemeines Täuschungsmanöver.

Manfred Hübner
Manfred Hübner
Sentix / Geschäftsführer

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