Sentix Marktradar
Schockstarre ja - aber keine Panik

Weltweit geht es für die Börsen nach unten und auch der Dax gibt heute wieder ab. Dennoch ist trotz der massiven Korrektur der vergangenen Woche von Panik keine Spur.
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FrankfurtAuch wenn man es nach einer so dramatisch schlechten Woche kaum glauben mag: die Investoren am Aktienmarkt befinden sich nicht im Zustand der Panik. Vielmehr bestimmen ungläubiges Staunen, eine gewisse Schockstarre und Hoffnungen das Stimmungsbild an den Märkten.

Dies lässt sich aus den verschiedenen sentix Indizes ableiten. Mit Werten von minus 20 Prozent liegt die kurzfristige Stimmung – und damit der Gradmesser für Angst und Gier – im negativen Bereich. Jedoch sind erst Werte von minus 40 Prozent typisch für eine Ausverkaufssituation. Zudem hat sich die Wertwahrnehmung, gemessen an den mittelfristigen Sentimentindizes, sogar nochmals verschlechtert. Dieses setzt damit seinen mehrmonatigen Abstieg fort und signalisiert, dass die Investoren trotz ermäßigter Kursniveaus die Aktienmärkte noch nicht für günstig halten.

Und dies hat handfeste Gründe, wie die neuesten Daten des sentix Konjunkturindex zeigen. Für die Euroland-Zone stürzte dieser um fast 19 Punkte ab, so viel wie nie zuvor und unterstreicht damit, dass die Fragezeichen hinter der weiteren konjunkturellen Entwicklung wichtiger geworden sind, als die unvermindert sorgenreiche Euro-Solvenzkrise. Wenn nun die EZB in die Märkte eingreift, kann sie zwar in der Solvenzfrage etwas Druck von den Anlegern nehmen. Gut so. Aber die Investoren verlangen nach Antworten, wie künftige Wirtschaftspolitik aussieht, wenn einem wichtigen Akteur im Markt, dem Staat, faktisch die Hände gebunden sind. Dies ist eine neue Qualität in der laufende Korrekturphase und noch nicht vollständig eingepreist.

Natürlich sind die Märkte keine Einbahnstraße und ein kurzfristiges Markttief mit anschließender technischer Erholung scheint noch in dieser Woche möglich. Doch eine schnelle Rückkehr in einen nachhaltigen Aufwärtstrend sollten Investoren nicht erwarten. Zu viele wurden von der Wucht der Korrektur und der Nachrichten der letzten Woche überrascht und dürften jeden Anstieg nutzen, ihre Risiken eher zu verringern als zu erhöhen.

Manfred Hübner
Manfred Hübner
Sentix / Geschäftsführer

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