Anlageberatung
Die Sparkasse als Finanzcasino

Sparkassen geben sich gegenüber den Kunden gerne seriöser als andere Banken. Doch Anlegeranwälte berichten von Betrug, Nötigung und Untreue. Die Klagen häufen sich. Was einige Sparkassen ihren Kunden zumuten.
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Berlin/FrankfurtFür Sparkassenpräsident Heinrich Haasis sind Sparkassen die besseren Banken. Gern grenzt er die öffentlich-rechtlichen Institute von börsennotierten Banken ab, die ihre Gewinne maximieren müssen und nicht dem Gemeinwohl verpflichtet sind. „Die Sparkassen sind eine unternehmerische Antwort auf die in der Finanzkrise deutlich gewordenen Mängel einer zügel- und grenzenlosen Finanzwirtschaft“, lautet das Credo des Präsidenten.

Doch so anders als andere Banken agieren Sparkassen gar nicht. Das zeigen zahlreiche juristische Auseinandersetzungen mit privaten Anlegern, die sich von ihren Sparkassen falsch beraten fühlen. Davon laufen derzeit Hunderte. Sie zeigen, dass auch Sparkassen nicht immer die Interessen ihrer Kunden im Auge haben.

Besonders krass ging es anscheinend bei der Sparkasse Köln-Bonn zu. Der türkische Geschäftsmann Senol B. erstattete nach Informationen des Handelsblatts Ende Februar dieses Jahres Strafanzeige gegen vier Vorstände der Sparkasse wegen Betrug, Nötigung und Untreue im Fall verlustreicher Zinswetten. Mit diesen sogenannten Swaps will man beispielsweise von Zinsunterschieden zwischen verschiedenen Ländern profitieren. Die entsprechenden Zinsänderungs- und Währungsrisiken sind jedoch kaum zu kalkulieren. Es bestehe „ein fast unbegrenztes Verlustpotenzial“, wie es die Münchener Kanzlei Engelhard & Busch beschreibt.

B.s Düsseldorfer Anwalt Joerg Andres sagte dem Handelsblatt: „Mein Mandant wurde systematisch getäuscht.“ Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte den Eingang der Anzeige. „Der Vorgang wird geprüft“, sagt Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Die Sparkasse Köln-Bonn bestreitet die Vorwürfe.

Nach Angaben der Sparkasse sei die Darstellung grob falsch, erklärte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Die Finanzierung in Schweizer Franken sei auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden geschehen. Wie die Unterlagen belegten, sei dies nach umfassender Beratung und mit Hinweis auf die Risiken geschehen. Der Kunde habe an seiner Anlagestrategie auch dann noch festgehalten, als die Sparkasse ihn auf zunehmende Risiken aufgrund der Aufwertung des Franken hingewiesen habe. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft habe sich ein Anfangsverdacht gegen den Vorstand nicht bestätigt.

Doch die Klage des Geschäftsmanns ist kein Einzelfall. „Ich vertrete mehrere Kunden, die bei spekulativen Zinswetten mit der Sparkasse Köln-Bonn Schiffbruch erlitten haben“, erklärt Michael Leipold, Anwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht. Auch wenn andere Banken die gleichen riskanten Geschäfte angeboten haben, ist dieses Gebaren aus Leipolds Sicht für eine Sparkasse besonders verwerflich. Denn deren Kunden, so der Anwalt, dürften davon ausgehen, „dass ihnen bei ihrer Sparkasse keine riskanten Geschäfte angeboten werden“.

Dabei wollen die Sparkassen doch anders sein. In der „Stuttgarter Erklärung“ von 2010 heißt es zum Selbstverständnis der Sparkassen: „Im Mittelpunkt der Beratung stehen die Ziele und Bedürfnisse des Kunden. Ein reiner Produktverkauf ohne Rücksicht auf die Bedürfnislage des Kunden ist mit der Philosophie der Sparkassen nicht vereinbar.“

Manchen Kunden muss das wie Hohn vorkommen. Sie werfen den Sparkassen beispielsweise vor, ihnen Zertifikate zu verkaufen, ohne immer über den möglichen Totalverlust bei einer Pleite des Emittenten aufzuklären. Nach dem Crash der Investmentbank Lehman Brothers verloren auch Sparkassen-Kunden viel Geld. In anderen Fällen klärten Sparkassen ihre Kunden nicht über Rückvergütungen beim Vertrieb von offenen Immobilienfonds auf. Wieder andere versäumten es, ihren Kunden die Funktionsweise von Bonus-Zertifikaten zu erklären.

Kommentare zu " Anlageberatung: Die Sparkasse als Finanzcasino"

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  • Bei der ganzen Darstellung die aus meiner Sicht, aus mangel an genauen Details der Einzelfalles, für die Berichterstattung des Handesblattes unwürdig ist, darf man nicht vergessen das eine Vielzahl von Anwälten oft auch ohne Aussicht auf Erfolg gegen Banken klagt, um möglichst gute Profits zu generieren. Finanzierung in Währungen wie CHF und Yen und der deren Absicherung sind für Geschäftsleute überhaupt keine Seltenheit und gängige Praxis. Wenn es halt schief läuft ist im Zweifel immer der Bankberater schuld. Diese immer wieder gleiche einseitige Berichterstattung gegen Banker schreit mittlerweile zum Himmel. Vielleicht sollte ein Metzger künftig auch vorher den Kunden fragen ob er zu hohe Fettwerte im Blut hat, bevor er Ihm Wurstwaren verkauft und am besten auch noch ein Beratungsprotokoll darüber schreiben.

  • Ich muß mal meinen Senf dazu geben.... als GenoBanker... Der Geschäftsmann kaufte also mehrere Häuser angebl. zur Altersvorsorge auf Kredit und wollte die günstigen CHF - Zinsen nutzen ? Spekulation ? I wo - Den Ausstieg mit Verlußt verpasst, trotz zw.zeitlicher Warnung ?? Und nachher versuchen, per Klage die Sparkasse am Verlußt zu beteiligen ???
    Das zu versuchen, ist sein gutes Recht in Dt. Aus EINEM Fall - ohne große Details - Sparkassenbashing zu betreiben ist aber arm und dem Handelsblatt unwürdig !

  • Also wenn ich die Meinungen der Vorschreiber richtig deute müßte es ab sofort auch reichen das nicht der Bankberater den Kunden berät sondern die Putzfrau, diese scheint ja genau soviel Ahnung zu haben wie ein Bankberater.Leuteb ich gehe zur Bank um mich beraten zu lassen und nicht zu verraten.
    Dann können wir ja über all die gleichen Vorraussetzungen schaffen-keine Ahnung aber davon genug-nur warum gibt es dann überhaupt Berater ?

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