Anlegerrecht
Infinus-Anlegern droht Mammutverhandlung

Bei der insolventen Unternehmensgruppe Infinus warten tausende Anleger auf Geld. Nun planen die Dresdner Richter eine ungewöhnliche Massenanhörung. Anleger sollen „im Fünf-Minuten-Takt“ einen Vertreter wählen.
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Den geprellten Anlegern von Infinus droht ein Massenspektakel. Nach einer Verlautbarung der Kanzlei Protectinvestalliance (Pia) soll das Dresdner Amtsgericht ein Mammutverfahren planen. Die Anleger könnten im 5-Minuten-Takt angehört werden. Am 17. Juni sollen in Dresden die Gläubiger von 43 unterschiedlichen Oderschuldverschreibungsserien die Möglichkeit erhalten, einen sogenannten Gemeinsamen Vertreter zu wählen, der dann im weiteren Verfahren ihre Interessen vertritt.

Insgesamt muss das Gericht ab dem 17. Juni 4.852 Orderschuldverschreibungen abarbeiten. Insgesamt hatte die Finanzgruppe rund 670 Millionen Euro bei Privatanlegern eingesammelt. Der letzte Termin für Infinus-Anleger fand in der Dresdener Messe statt. Rund 1300 Personen sollten einen gemeinsamen Vertreter wählen. Anwälte ließen die Wahl mittels Befangenheitsanträgen jedoch platzen.

Trotz des Ansturms beim letzten Termin hat sich das Amtsgericht Dresden dazu entschieden, den Termin in den eigenen Räumlichkeiten durchzuführen. „Ich erhebliche Bedenken, dass die gewählten Räumlichkeiten auch nur ansatzweise ausreichen werden“, erklärt Klaus Nieding, Geschäftsführer von Pia.

Fast alle Firmen der Dresdner Infinus-Finanzgruppe sind insolvent, gegen die damaligen Manager wird wegen Betrugs ermittelt. Fünf im November 2013 unter Betrugsverdacht festgenommenen Manager des Dresdner Infinus-Finanzkonzerns bleiben in Untersuchungshaft wie das Oberlandesgericht Dresden am Mittwoch mitteilte, muss aufgrund der im Falle einer Verurteilung drohenden Freiheitsstrafen und des möglichen wirtschaftlichen Ruins der Beschuldigten Fluchtgefahr angenommen werden. Deshalb sei bei der routinemäßigen Haftprüfung nach sechs Monaten die Fortdauer der Untersuchungshaft angeordnet worden. Die nächste Prüfung stehe in einem Vierteljahr an.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen insgesamt zehn Infinus-Mitarbeiter. Sie sollen ein betrügerisches Schneeballsystem betrieben und Zehntausende Anleger um mindestens 391 Millionen Euro betrogen haben. Ursprünglich waren sechs Manager festgenommen worden. Ein Beschuldigter war nach einem Geständnis im Februar freigekommen. Die übrigen hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

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