Arbeitsrecht
Schuften bis der Arzt kommt

Macht das Erwerbsleben wirklich krank oder sind die Deutschen einfach nur schlecht organisiert? Beides, sagen Experten. Dabei ließen sich die Missstände durchaus beheben. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind in der Pflicht.
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DüsseldorfDeutschland ist gestresst. Wohin man auch blickt – es wimmelt von ausgebrannten, erschöpften und überarbeiteten Menschen. Ob Manager oder Postbotin, Chefärztin oder Fließbandarbeiter: Die Volkskrankheit Burn-Out grassiert in allen sozialen Schichten, trifft Männer ebenso wie Frauen und ist weit gehend unabhängig davon, ob beziehungsweise wie weit sich die Betroffenen auf der Karriereleiter bereits nach oben gearbeitet haben.

Inzwischen, so warnen Psychologen, seien sogar schon Schüler betroffen, weil sie sich dem Konkurrenzkampf mit anderen nicht gewachsen fühlen. Auch junge Mütter und Hausfrauen brächen immer häufiger unter dem Anspruch zusammen, Heim und Familie perfekt zu managen.

Oberster Stresstreiber ist und bleibt für die meisten allerdings der regelmäßige Broterwerb – auch wenn die Arbeitsbedingungen in Deutschland so gut sind wie nie zuvor. Eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse belegt: 52 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen sehen ihren Job als Stressfaktor Nummer eins an. Das schlägt aufs Gemüt. Und damit auf die Gesundheit.

Fast jeder sechste Krankschreibungstag geht nach Kassenangaben inzwischen auf psychische Störungen zurück. Im Schnitt fehlen Arbeitnehmer knapp zweieinhalb Tage pro Jahr wegen Depressionen, Belastungs- oder Angststörungen.

Eine Anfang des Jahres veröffentlichten Studie der Bundespsychotherapeutenkammer belegt zudem: Bei fast jedem zweiten Frührentner sind psychische Erkrankungen die Ursache für die Pensionierung – viele davon gehen auf Stress und Überlastung zurück. Doch fühlen sich die Deutschen mit ihrer Arbeit so unwohl?

Kommentare zu " Arbeitsrecht: Schuften bis der Arzt kommt"

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  • Quatsch. Da ist der Wunsch nach 35h-W der linke Vater des falschen Gedankens. Die meisten Tätigkeiten lassen sich nur mit extremen Schnittstellenverlusten teilen.
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    Man muss die URSACHEN lösen, wie immer übrigens. Diese sind nicht die, wie auch im Artikel falsch behauptet: W-L-Balance und zuviel Arbeit. Wenn einem der Job spaß macht und man berufen ist, ist zeit egal.
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    Die Ursache ist, dass die Menschen in unserer Zeit Tätigkeiten machen wollen, für die sie eben NICHT BERUFEN sind. Die wenigsten sind gute Büroarbeiter. Man will aber Status und viel Geld haben und dann studieren die Leute Quatsch und gehen ins Büro ohne dafür geeignet zu sein. Daraus leitet sich Stress ab.
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    Ich kenne einen studierten Maschinenbauingenieur der "nur" als Handwerker arbeitet. Der hat gemerkt, dass ihm das liegt und Spaß macht.
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    Und da er gut ist, verdient er sogar gleich viel, obwohl seine Eltern und andere über den vermeidlich Gescheiterten lachen!

  • Es ist kaum anders als vor doch schon 25 Jahren, als die Diskussion um die 35 Stundenwoche begann.

    Es bleibt sinnvoll, mehr Menschen für die gleiche Tätigkeit zu beschäftigen.
    Sowohl für die Beschäftigtenquote insgesamt, als auch für die Minderung von Krankheitskosten, die sich betrieblich noch deutlicher auswirken als für die Finanzierung durch die Krankenversicherung.
    Für eine Work-Life Balance, die sich nicht nur in mehr Konsum zur Kompensation fehlender Freizeit erschöpft.

    Es bleibt zielführend in Zeiten überalternder Gesellschaft mehr Ältere und Jüngere bei weniger individueller Arbeitszeit gemeinsam in Unternehmen zu halten.
    Zur wechselseitigen Übertragung von know-how, zur Erhaltung der fachlich qualifizierten Aufgabenerledigung an sich, zur Möglichkeit Zeit und Luft für Kinder und Eltern, Erziehung und Pflege, zu haben, zur Stabilisierung einer emphatisch solidarischen Gemeinschaft statt Fortschreibung eines drohenden wirtschaftlichen und soziologischen Kollaps der Gesellschaft.

    Allerdings kommt das in unternehmerischen Köpfen weitgehend - die Götz Werner im Land einmal ausgenommen - nicht an. Die dort Handelnden sind zumeist übermäßigem Leistungsdenken, dem Primat der Arbeit und Selbstausbeutung verpflichtet sozialisiert; Johari ohne Ausweg eben?

  • "Was hilft dagegen ? Wer es kann zieht sich in die Übersichtlichkeit seines Privatlebens zurück. War damals wohl in der DDR unter den damaligen Gegebenheiten von Politik und Arbeitsleben ähnlich. Man macht halt das Beste für sich draus, sofern einem dies möglich ist."
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    Vor allen Dingen hilft dagegen, sich der Konsumtretmühle zu entziehen. Es gibt erheblich wichtigeres als das allerneuste Smartphone, der schicke, neue Wagen, die coolen Designer-Klamotten, der angesagte Club und Party Party.
    Man muß lernen, "Nein!" zu sagen. Ich für meinen Teil ziehe mich oft für Stunden mit meinen Hunden in die Wälder zurück: Ruhe, Frieden und stille Freude an und mit meinen Mitlebewesen sind mir mehr wert als irgend ein schnieker Empfang zwecks "Schleimspuren zu ziehen"!
    Reichtum definiert sich nicht immer nur über Geld!

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