Bafin-Auskunft
Beschwerdesturm gegen Bankberater

Viele Kunden sind unzufrieden mit ihren Bankberatern. Die Finanzaufsicht Bafin sammelte in acht Monaten mehr als 7400 Beschwerden. Verbraucherschützer empören sich und fordern Gesetzesänderungen.
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Fünf Jahre ist der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers mittlerweile her. Fünf Jahre, in denen Banken und Anlageberater öffentlich immer wieder beschworen haben, ihre Lektion aus dem Finanzfiasko gelernt zu haben. Spricht man hingegen mit Annabel Oelmann, Finanzexpertin von der Verbraucherzentrale NRW, scheinen Falschberatungen nach wie vor alles andere als die Ausnahme zu sein.

Beispiel gefällig? Oelmann erzählt von einer älteren Dame, die ihren Bankberater anweist, dass sie bitte „kein Risiko“ eingehen möchte. So ist es auch im handschriftlichen Gesprächsprotokoll vermerkt. Im Gespräch bietet der Berater der Frau dann schließlich Immobilienfonds an – nicht gerade eine als sichere Geldanlage verschriene Anlageklasse.
Dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt, belegen nun frische Zahlen aus dem Bundesfinanzministerium, die Handelsblatt Online vorliegen. Seit 2012 sammelt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) Beschwerden von Anlegern, die sich von ihren Beratern schlecht informiert fühlen. Hintergrund: Seit dem Jahr 2012 sind Berater dazu verpflichtet, jede Beschwerde, ob mündlich oder schriftlich, ob gelöst oder ungelöst, an die Bafin zu melden. Tun sie es nicht, verstoßen sie gegen das Aufsichtsrecht.

Das Beraterregister ist Teil des Anlegerschutzgesetzes, das der Bundestag 2011 beschlossen hat. Doch für die Finanzdienstleister fallen die jüngsten Zahlen aus dem Ministerium wenig schmeichelhaft aus. Im Zeitraum von November 2012 bis Ende Juni 2013 wurden demnach 7443 Beschwerdeanzeigen eingereicht – das Gros davon gegen Banken (3462 Beschwerden), gefolgt von Sparkassen (2293) und Genossenschaftsbanken (1640).

Die Zahlen gehen aus einer Antwort des Ministeriums hervor, die Handelsblatt Online vorliegen. Gefragt hatte Gerhard Schick, der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag. Und Schick fordert jetzt auch Konsequenzen: „Es wird Zeit, den finanziellen Verbraucherschutz endlich zur Chefsache zu erklären und Anleger auf Augenhöhe mit den Banken zu stellen“.

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Beschwerdesturm gegen Bankberater

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Nur sechs Bußgeldbescheide

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  • Komische Sache das?! Jedes A..l... darf Wind"energie"anlagen verticken. Jeder darf sich Anlageberater nennen. Nur wenn BANKEN etwas verkaufen, greift dieses eigenartige Gesetz. Manchmal könnte man denken, daß die Bundesregierung was gegen die Banken hat. Maschmeier steckt sicher nicht dahinter.

  • Ich halte diese permanente pauschale Stimmungsmache gegen Banker für äußerst bedenkenswert. Auch entbehrt das Beispiel in diesem Artikel (Immobilienfonds und Risiko) grundsätzlich jeglicher Realität. Ich erinnere mich gut daran, dass Verbraucherschützer mit ihren positiven Äußerungen zu Immofonds die Kunden den Banken geradezu in die Filialen getrieben haben. Wenn jemand schwarzmalen will, dann ist sogar eine Anleihe unseres eigenen Landes risikobehaftet, denn wer weiss, was kommen wird. 7.400 Beschwerden, was bedeutet das? Erstens muss eine zu meldende Beschwerde nicht unbedingt berechtigt sein, und das ist leider nicht selten. Und zweitens stellt sich die Frage, ob 7.400 Beschwerden bei sicher weit über zehn Millionen Beratungssituationen in acht Monaten in Deutschland eine alarmierende Zahl bedeutet. Natürlich können über reisserische Darstellungen die Auflage erhöht werden.
    Natürlich ist Kritik gefragt und angebracht, aber ein bestimmtes Niveau und Kompetenz geören dazu.
    Insofern halte ich grundsätzilch die mediale Berichterstattung bedauernswert. Ein banker ist genauso mein Nachbar wie jeder andere auch, der mit seinem hart verdienten Lohn eine Familie zu ernähren hat.

  • In welcher Welt leben eigentlich die Verbraucherzentralen? Wenn ein Anleger kein Risiko eingehen will, dann gibt es auch keine Rendite und sollte dem Berater auch keine Zeit steheln - ganz einfach! Es wäre so, als wenn Sie zum Bäcker gehen und ein Brötchen kaufen wollen, dass aber bitteschön keine Kalorien hat (und verdienen darf der Bäcker natürlich auch nichts daran) Das ist nun mal nicht das Geschäft des Bäckers, ebenso wie ein Bankberater kein Produkt verkaufen kann, dass nicht auch Risiko beinhaltet - sonst ist eine vernünftige Rendite eben nicht möglich. Liebe Verbraucherzentrale: Der DAX hat in den letzten 2 Jahren um 80% an Wert gewonnen und was haben Sie den Anlegern empfohlen? 2-3% p.a. waren mit den Empfehlungen der Verbraucherzentralen maximal drin. Aber Aktien sind ja so unglaublich gefährlich und diese ganze Marktwirtschaft geht irgendwann den Bach runter? Schade, dass man nicht gegen entgangene Gewinne klagen kann. Tja no Risk no Fun!

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