EC-Karten
Wenn in den Ferien das Bargeld ausgeht

Millionen Deutsche stehen demnächst in New York, Rio oder Tokio ohne Bargeld da. Viele EC-Karten funktionieren an Geldautomaten außerhalb Europas nicht mehr. Welche Kunden betroffen sind.
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Frankfurt / DüsseldorfEine Inselrundfahrt, Souvenirs für die Daheimgebliebenen und eine üppige Fischplatte im Hafenviertel – im Urlaub wird das Bargeld schnell knapp. Kein Problem, der nächste Geldautomat ist oft nicht weit, die Bargeldversorgung gesichert. Das glauben zumindest die meisten Urlauber. Doch sie irren, denn viele Banken haben die Einsatzfähigkeit der EC-Karte eingeschränkt.

„Die meisten erwischt es eiskalt“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Die EC-Karte funktioniert nicht mehr. Sie ist entweder komplett gesperrt für Abhebungen außerhalb Europas oder der Verfügungsrahmen wurde drastisch reduziert.“ Die Beschwerden bei den Verbraucherzentralen häufen sich, vor allem in der Ferienzeit.

Betrüger manipulieren Tausende Geldautomaten

Grund des Übels sind Sicherheitsstandards, welche die Bankkunden vor dem Geldautomatenbetrug schützen sollen. 2010 hatten Betrüger in Deutschland über 3000 Geldautomaten manipuliert, um Magnetstreifen von EC-Karten zu kopieren und so eine Dublette herzustellen. Dann hoben sie meist im Ausland damit Geld ab. Der geschätzte Schaden belief sich laut Bundeskriminalamt auf 60 Millionen Euro.

Um EC-Karten sicherer zu machen, führten deutsche Banken den sogenannten EMV-Chip ein. Dieser Sicherheitsstandard wurde von den drei Kreditkartengesellschaften Europay, Mastercard und Visa entwickelt und nach ihnen benannt. EMV-Chips können nach deren Angaben nicht kopiert werden. Mittlerweile sind alle EC-Karten darauf umgerüstet.

Die Mehrheit der Geldinstitute behält jedoch bis heute den Magnetstreifen zusätzlich bei, da sich die Chiptechnologie im außereuropäischen Ausland bislang nicht durchgesetzt hat. Somit sind diese Karten innerhalb Europas zwar noch kopierbar, Geld kann mit den Dubletten aber nur außerhalb Europas abgehoben werden.

Um die Sicherheit der Kunden zu erhöhen, ziehen viele Banken die Bremse. Sie haben den Verfügungsrahmen für Bargeldauszahlungen außerhalb Europas heruntergesetzt. Besonders rigoros wenden die Deutsche Bank und ihre Töchter Norisbank und Berliner Bank diese Methode an. Sie haben die Verfügungsgrenze auf null gesetzt. Allerdings können die Kunden diese Blockade jederzeit aufheben – auch aus dem Ausland. Darüber sind die Kontoinhaber laut Pressesprecherin Anke Veil von der Deutschen Bank informiert. „Wer trotzdem erst vor dem Geldautomaten daran denkt, kann die Hotline anrufen und sich schnell und unkompliziert sein Limit einrichten lassen.“ Frank-Christian Pauli, Bankenexperte des Verbraucherzentralen-Bundesverbands, ist skeptisch. Für diese Kunden „kann man nur hoffen, dass sie ihre Legitimationsnummer für die Bankenhotline dabeihaben“.

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Die neue EC-Karte verbreitet sich rasant

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  • Der Titel muss eher lauten: "Wenn das Bargeld im Urlaub wertlos wird! " :D

  • Apropos Kreditkarte - immer mehr Zapfsäulen in den USA akzeptieren Kreditkarten nur mit US-ZIP-Code-Eingabe. Diese Möglichkeiten fehlen bei den Europäischen MasterCard und AMEX-Kreditkarten (den Unterneghmen ist das bekannt). Die Lösung, die Karten an der Kasse der Tankstelle zu hinterlegen, wird auch immer häufiger zurückgewiesen. Da hilft dann nur noch Bargeld. Eine Lösung seitens der Kartenanbieter ist mir nicht bekannt, obwohl nach Florida nunmehr auch Kalifornien die ZIP-Code-Eingabe flächendeckend eingeführt hat. Darüber habe ich allerdings weder in Zeitungen noch in Informationen der Kreditkartenanbieter etwas gelesen.

  • Sehe ich auch so! Im gegenteil ist in der Regel im Ausland die Kreditkarte günstiger als die girocards. Einseitige Berichterstattung ohne die nötigen Hintergründe. Was ich mich frage: Wer fährt allen Ernstes ohne Kreditkarte in die USA oder nach Asien? Die Artikelschreiber etwa?

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