Entscheidung über Prokon-Zukunft
Hälfte der Prokon-Anleger will bei Genossenschaft mitmachen

Am Donnerstag entscheidet die Gläubigerversammlung über den insolventen Windparkbetreiber Prokon. Etwa die Hälfte der Anleger ist gewillt, das Unternehmen als Genossenschaft weiterzuführen. Wie viel dabei rausspringt.
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FrankfurtIm Rennen um den Windpark-Konzern Prokon steigen die Chancen für eine Genossenschaft im Besitz der Anleger. Laut einer Mitteilung von Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin hat sich bislang gut jeder zweite der 75.000 Anleger bereit erklärt, einen Teil ihres ursprünglichen Einsatzes als Eigenkapital im Unternehmen zu lassen und damit Genossen zu werden.

Das könnte für eine Genossenschaftslösung reichen. Es müssen für etwa 660 Millionen Euro gezeichnetes Genussrechtskapital verpflichtende Erklärungen vorliegen, dass seine Inhaber Genossen werden möchten. Dann wäre die Gesellschaft mit ausreichend Eigenkapital unterfüttert. Geht man davon aus, dass Anleger durchschnittlich 20.000 Euro Kapital investiert hatten, läge für geschätzte 720 Millionen gezeichnetes Kapital bereits eine verbindliche Zusage zu einer Beteiligung an einer Genossenschaft vor. Das wäre jetzt schon deutlich mehr, als verlangt.

Das Genossenschaftsmodell wird von der größten Anlegergruppe, den Freunden von Prokon befürwortet. Sie werben um Vollmachten für die Gläubigerversammlung am 2. Juli. Sollten sich genügend Anleger für eine Genossenschaftsbeteiligung verpflichtet haben, wird auf der Versammlung über dieses Modell zuerst abgestimmt. Wer jetzt noch Genossen werden will, kann dies dem Insolvenzverwalter noch bis 1. Juli mitteilen. Das Handelsblatt hat das bereits berichtet.
Ursprünglich hatte der Insolvenzverwalter verlangt, dass die Anleger sich bis 26. Juni erklären müssen.

Allerdings müssen sich die Genossen nun mit einer um einen Prozentpunkt geringeren Insolvenzquote zufrieden geben, als zunächst angekündigt. Das liege am Finnland-Geschäft, erläuterte Penzlin. Auch dort plant Prokon Windparks. Der Wettbewerb sei nach neuen Förderbedingungen schärfer geworden, teilte Penzlin mit. Die erwartete Insolvenzquote der Genossen hatte er ursprünglich mit 58,9 Prozent beziffert. Nun wird sie nur noch auf 57,8 Prozent geschätzt.

Prokon musste Anfang 2014 Insolvenz anmelden. Zuvor hatte der Konzern insgesamt 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechtskapital eingesammelt.

Auch der Energieversorger EnBW will Prokon haben und bietet 550 Millionen Euro für das Kerngeschäft. EnBW teilte mit, sie werde sich an sein Gebot trotz der Veränderungen im Finnland-Geschäft halten. Allerdings hatte sie sich auch vertraglich dazu verpflichtet. Nach einer EnBW-Übernahme würden die Anlegern sofort 34,1 Prozent ihres Einsatzes bei Prokon wiedersehen. Auf weitere 18,1 Prozent könnten sie nach dem geplanten Verkauf von Randgeschäften hoffen.

Was Prokon-Anleger von ihrem Einsatz wiedersehen - drei Modelle (geschätzt)
Verkauf an EnBWGenossenschaftLiquidation
Sofort in bar34,10%Der Konzern bietet 550 Euro für das Kerngeschäft von Prokon. Das Geld wird anteilig an Genussrechtsinhaber ausbezahlt0
Später in bar18,10%Der Erlös aus den Randgeschäften wird etappenweise über Jahre an die Anleger fließen.23,3%Genossen wandeln diesen Teil ihrer Quote in Genossenschaftsanteile. Die übrigen werden mit den Erlösen aus Randgeschäften ausbezahlt.0
Prokon-Anleihen0Es gibt keine Anleihen34,50%Allen Genussrechtsinhabern stehen Anleihen zu. Die Anleihen von Nichtgenossen werden an der Börse verkauft. Sie werden ausbezahlt.0
Erlös aus Liquidation0Das Unternehmen wird als Ganzes verkauft.048,50%
Gesamtquote52,20%57,80%Die Quote ist höher als beim Verkauf an EnBW.48,50%
Quelle: Insolvenzpläne

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