Finanzbildung
„Ein Haushalt ist keine Bagatelle“

Hier ein Handyvertrag, da ein Kredit – schnell können auch junge Erwachsene in die Miesen geraten. Zwei Haushalts- und Verschuldungsexperten erklären, warum Wirtschaft jeden betrifft und wie man Haushalten lernt.
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Konten eröffnen, Kredite beantragen und Verträge abschließen. Wann immer Verbraucher in Deutschland auf diese Art am Finanzsystem teilnehmen, landen Sie in der Datenbank der Schufa. Das gilt auch für junge Erwachsene. Mit ihrem Informationsmaterial „Schufa macht Schule“, will die Wirtschaftsauskunftei Finanzwissen vermitteln. Mitverantwortlich für die Hefte ist Michael-Burkhard Piorkowsky, Professor für Haushalts- und Konsumökonomik an der Universität Bonn. Gemeinsam mit Serena Holm von der Schufa erklärt er, wie gute Finanzbildung aussehen muss.

Heute kaufen, später zahlen – Kredite nutzen auch junge Erwachsene gerne. Bei der Rückzahlung schneiden sie jedoch etwas schlechter ab als der Durchschnitt der Kreditnehmer. Droht hier ein Überschuldungsproblem?
Holm: Wir haben auf keinen Fall ein Problem mit überschuldeten Jugendlichen. Ihre durchschnittliche Rückzahlungsquote ist nicht mal einen Prozentpunkt schlechter als die Quote insgesamt – 96,6 zu 97,5 Prozent. Junge Erwachsene können sehr gut mit Geld und den neuen kreditbasierten Geschäften wie Mobilfunk und E-Commerce umgehen. Zudem zeigt eine aktuelle Umfrage, dass für Jugendliche Sparen noch immer einen hohen Stellenwert hat.

Dennoch setzen Sie sich für eine bessere Finanzbildung ein. Wo genau liegt das Problem?
Piorkowsky: Die Herausforderungen an die jungen Erwachsenen sind gestiegen. Früher war das Leben stärker vorbestimmt, wer einen Studienabschluss gemacht hat, konnte sicher sein, einen dauerhaften Job zu finden. Heute ist das nicht mehr so. Es gibt viele neue Möglichkeiten, zugleich fehlt es aber an Erfahrungswerten, so dass sogar die Eltern häufig keinen Rat geben können.

Was meinen Sie konkret?
Piorkowsky: Die Menschen müssen heute schon früher wichtige Entscheidungen treffen: Wie finde ich eine Wohnung, wie teile ich mein Geld ein, was muss ich beim Abschluss von Verträgen beachten, wie sorge ich für das Alter vor? Viele dieser Entscheidungen müssen immer wieder überprüft und an die veränderte persönliche Situation angepasst werden. Ein Haushalt ist keine Bagatelle.

Selbst entscheiden zu können, ist aber auch etwas Positives.
Piorkowsky: Ja, und genau das muss man den jungen Leuten klarmachen. Es gibt zwar einige Dinge, um die sie sich kümmern müssen, aber zugleich sollten sie sich selbst als wichtigste Akteure bei der Gestaltung ihres Lebens verstehen – und als Teil der Wirtschaft. Wirtschaft hat nicht nur etwas mit Unternehmen zu tun, sondern mit jedem Einzelnen. ‚Wirtschaft, das bin ich‘ sollte ihr Credo lauten.

Kommentare zu " Finanzbildung: „Ein Haushalt ist keine Bagatelle“"

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  • Beim Lesen des Interviews musste ich nun aber schon lachen. Herr Piorkowsky hat ja Recht. Aber die Schule ist nun einmal für das Lernen von wirtschaftlichen Sachverhalten ein denkbar schlechter Ort. Zu meiner Zeit kam das Thema im Unterricht überhaupt nicht vor. Da ich mein Studium selbst finanzieren musste, war ich im Rückblick betrachtet, in der glücklichen Lage, mir schon frühzeitig Kenntnisse aneignen zu müssen. Herr Piorkowsky sollte zudem berücksichtigen, dass in Deutschland die meisten Lehrer Beamte sind. Die können vielleicht angehenden Beamten was zu dem Thema erzählen, aber wohl kaum jungen Menschen, die später nicht Beamte werden. Beamte brauchen nicht vorsorgen, haben häufig deutlich geringere Fixkosten (man schaue einfach mal auf die fast geschenkte Krankenversicherung), bekommen deutlich günstigere Kreditkonditionen und verfügen meist über ein gutes und immer steigendes Gehalt. Folglich verfügen sie überhaupt nicht über die Erfahrung vernünftig unter Abwägung von Risiken haushalten zu müssen.
    Hierzu nur eine Annekdote: Als Freiberufler verdiene ich normalerweise ziemlich ordentlich. Aber es gibt auch mal Durststrecken. 2009 war es wie für so viele so richtig heftig. Selbstverständlich werde auch ich geprüft. Und bei einer Prüfung stellte ich fest, dass der Betriebsprüfer weder was von der Finanzkrise mit bekommen hat noch sich vorstellen konnte, dass ich meine Einnahmen nicht jeden Monat komplett verballere.
    Und noch was: Die meisten Lehrer wählen Grün. Als verantwortungsvoll wirtschaftender Mensch, der vorsorgen und Risiken managen muss, ist man aber auch in Aktien investiert. Und Aktionäre sind ach so pöse, pöse.

  • @Herr Werner Krey
    Schauen Sie mal genauer hin und Sie werden es erkennen. Unser "ach so geliebter" Staat macht uns Bürger und willfähigen Melkkühen. Ich rede hier nicht von den oberen 10.000 Reichen in unserer Gesellschaft, sondern von den Großteil der Arbeitenden (wertschöpfenden) Schicht.
    Wir Alle sind dem Gesetzesdiktat nach noch mehr Steuern und Abgaben unterworfen. Die einen etwas mehr und die anderen etwas weniger. Zum Schluss wird jedoch jeder noch einigermaßen selbständig schaffender seiner persönlichen Freiheit und Entscheidungsfindung beraubt un in dieses soziale (asoziale) staatliche Umverteilungssystem hineingezwungen. Ihre Stromrechnung besteht z.b. über die Hälfte aus Abgaben und Steuern an den Staat bzw. anderen Abzockerprofiteuren.
    Schauen Sie sich die Preiszusammensetzung von Benzin, Diesel usw. an.
    Jede weiter Ökologieauflage wird in den Preisen unseres Lebensbedarf eingerechnet. Jede weiter Verordnungen und Vorschrift wird Preislich in unsere Lebenshaltungskosten mit eingerechnet.
    Um so mehr wir vom Sozialstaat fordern um so mehr werden wir Belastet. Entweder dirket durch die Sozial- und Steuerabgaben oder indirekt durch Sozial-Leistungskürzung.
    Uns wird ein Sozialstaat versprochen, der aber nur verlangt und immer weniger einhält. Eine Doppelbelastung für jeden Arbeitnehmer in Jungen Alter. Dieser muss für ein marodes Sozialsystem Abgaben und Steuern abdrücken und gleichzeitig für sich selbst Kranken-Sozialleistung selbst bezahlen und auch noch selbst für sein Alter zurücklegen, wenn er nicht Altersarmut erleiden will.

  • Wirtschaften ist doch ganz einfach. Nie mehr Geld ausgeben als rein kommt. Aber der Staat ist leider ein ganz schlechtes Vorbild.
    @Herr Marc Hofmann
    Wo wir eine sozialistische Gesellschaft haben sollen ist mir nicht ganz klar. In einer Gesellschaft, in der die kleine Schicht der Reichen immer reicher werden und die Arbeitnehmer immer ärmer. Da sehe ich eher das unsere soziale Marktwirtschaft in eine rein kapitalistische Wirtschaft umgemodelt wurde.

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