Geschäftsreisen
Airlines müssen Fluggäste bei Verspätung entschädigen

Eine gute Nachricht für Geschäftsreisende: Bei gravierenden Verspätungen haben Passagiere einen Entschädigungsanspruch gegen die Fluggesellschaft. Bisher gab es nur bei annullierten Flügen Geld zurück.
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KÖLN. Kürzlich entschied der Europäische Gerichtshof: Auch bei verspäteter Ankunft erleidet der Fluggast einen Schaden durch Zeitverlust (Az.: C-402/07 und C-432/07). Den müsse die Airline ausgleichen. Die Europa-Richter legten auch die zumutbare Verzögerung fest: Laut EuGH darf sich die Ankunftszeit bis zu drei Stunden verschieben. Wer seinen Zielort noch später erreicht, kann das Luftfahrtunternehmen zur Kasse bitten.

Mit seinem Urteil weitet der Europäische Gerichtshof den Schutz der Passagiere aus. Die Rechte der Fluggäste sind in einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2004 geregelt. Dort ist festgelegt: Werden Flüge ganz abgesagt, muss die Airline den Flugreisenden entschädigen. Für Verspätungen sieht das Regelwerk keine Ansprüche vor. Die Europa-Richter stellten jetzt klar: Die Vorschriften zum Schutz der Passagiere sind weit auszulegen. Große Verspätungen seien daher so zu behandeln wie eine Absage des Fluges. Denn die Folgen für die Passagiere seien vergleichbar: Sie erleiden einen Schaden in Form eines Zeitverlusts, schreiben die Richter in ihrer Entscheidung.

Auch bei der Frage, ab wann eine Verspätung ausgleichspflichtig ist, folgt der EuGH seiner Rechtsprechung für annullierte Flüge. Passagiere eines kurzfristig abgesagten Fluges haben nämlich auch dann einen Entschädigungsanspruch, wenn sie mit einem anderen Flug befördert werden, dadurch ihr Ziel aber erst drei Stunden nach der geplanten Ankunft erreichen. Diese Zeitspanne müsse auch für Passagiere verspäteter Flüge gelten, sagen die Richter.

Nach der EuGH-Entscheidung bestehen ausnahmsweise keine Ansprüche, wenn sich der Flug wegen "außergewöhnlicher Umstände" verzögert. Dabei legt der Europäische Gerichtshof aber einen strengen Maßstab an: Die Fluggesellschaft muss nachweisen, dass die Ursachen für die Verspätung nicht zu beherrschen und daher unvermeidbar waren. Zugleich muss sie darlegen, dass alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen wurden, um die Verzögerung zu verhindern. In ihrem aktuellen Urteil entschieden Richter: Ein technisches Problem ist regelmäßig kein außergewöhnlicher Umstand.

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