Immaterielle Vermögenswerte als Finanzierungsquelle
Was der „gute Name“ noch wert ist

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist der Gang zur Hausbank für Unternehmer keine Freude: Maschinen, Fahrzeuge und Immobilien sind oftmals bis zum Maximum beliehen, frisches Geld ist aber ohne Gegenwerte nicht zu bekommen. Auf der Suche nach stillen Reserven entdecken daher immer mehr Firmen ihre immateriellen Vermögenswerte.

DÜSSELDORF. "Patente, Marken und andere Schutzrechte können sich dabei als wahre Schätze entpuppen", sagt Prof. Dr. Alexander J. Wurzer, Geschäftsführer der auf Patentbewertung spezialisierten Firma Wurzer & Kollegen (vormals "Patev"). Ob Lizenzierung, Sale-and-lease-back-Verfahren oder schlichte Beleihung - in beinahe jedem Unternehmen finden sich Vermögenswerte. Wurzer spürt, dass der Markt zunehmend aktiver wird: "Das Geschäft zieht mit der Verschärfung der Krise an."

Dabei wissen viele Firmen noch gar nicht, welchen Wert ihr immaterielles Vermögen hat - schließlich ist dessen Bilanzierung nach § 248 HGB weitgehend verboten, eine objektive Bewertung damit überflüssig. "Allein die Marke macht im Durchschnitt aber 50 Prozent des Unternehmenswertes aus", zitiert Alexander Biesalski, Partner bei der Bewertungsgesellschaft Brand Rating, aktuelle Studien. Der Rest sind oft Patente und Know-how, materielle Vermögenswerte treten in der Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft zunehmend in den Hintergrund.

Der Spirituosenhersteller Underberg machte vor zwei Jahren vor, wie starke Marken zur Finanzierungsquelle werden. Das Traditionshaus hat die Rechte am Weinbrand "Asbach" an eine Leasinggesellschaft verkauft und sich die weitere Benutzung gegen Gebühr gesichert. Vor etwa einem Jahr folgte das Hamburger Modelabel Closed, viele weitere Deals wurden unter striktem Stillschweigen geschlossen. "Im Markenregister finden Sie nichts zu diesen Finanzierungen", hebt Biesalski als Vorteil hervor.

Ein Bruch des Tabus?

Grund für die Geheimniskrämerei ist, dass das Geschäft mit der Marke noch vielerorts als Tabubruch gilt. Anders als Maschinen und Immobilien gehört es sich für viele Geschäftsleute einfach nicht, den Namen zu beleihen. Und vielleicht denkt mancher Manager noch an die alte Rechtslage: Bis in die 90er-Jahre hinein waren Firma und Marke untrennbar miteinander verbunden, der Rechtsübergang war nur im Doppelpack erlaubt. Auch danach lag das Geschäft noch lange brach: Wenn überhaupt wurden die Namensrechte bei Krediten auf Basis des Cash-Flow als "Beigabe" sicherungsübereignet.

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