Markus Frick
Ex-Börsenguru gesteht Kursmanipulation

Für die Empfehlung einer Aktie in seinem Börsenbrief soll Markus Frick 1,9 Millionen Euro kassiert haben. Das hat der frühere TV-Börsenguru nun vor Gericht gestanden. Bei anderen Aktien sei aber kein Geld geflossen.
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Frankfurt/MainDer angeklagte Ex-TV-Börsenexperte Markus Frick hat im Strafprozess gegen ihn ein Teilgeständnis abgelegt. Er habe 1,9 Millionen Euro in bar dafür kassiert, dass er in einem Börsenbrief die Aktie eines französischen Shopping-Portals empfohlen hat, sagte der 41-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht Frankfurt.

Der Anklagepunkt der Kursmanipulation dürfte damit bereits am zweiten Verhandlungstag belegt sein. Der bereits einschlägig vorbestrafte Frick nannte die Empfehlung einen „schweren Fehler“, an dem er und seine Familie schwer trügen. Er habe 2012 unter starkem finanziellen Druck gestanden. Ihm seien schon häufig hohe Beträge angeboten worden, damit er bestimmte Titel empfehle. „Ich habe in diesem Moment nicht widerstehen können“, sagte er vor Gericht. Seit Januar sitzt der gelernte Bäckermeister in Untersuchungshaft.

Weitere Börsentipps gegen Bezahlung habe er aber nicht abgegeben, widersprach Frick der Anklage, die ähnliche Vorgänge für zwei weitere Aktien ausgemacht hat und von einer Bestechungssumme in Höhe von 2 Millionen Euro ausgeht. Ungenannte Hintermänner sollen die von Fricks Tipps ausgelösten Kursgewinne genutzt haben, um sich zu überhöhten Preisen von ihren Aktien zu trennen. Die Anklage hat für drei Aktientipps in 90 ausgewählten Musterfällen einen Schaden von 625.000 errechnet. Zur Höhe des Gesamtschadens äußert sie sich nicht. In dem fraglichen Zeitraum sind die drei Aktien in einem Volumen von rund 21 Millionen Euro gehandelt worden.

Die Verantwortung für das von den Ermittlern vermutete System des bandenmäßigen Betrugs wollte der bereits vor zwei Jahren wegen Kursmanipulation vorbestrafte Börsenjournalist Frick in seiner verlesenen Erklärung offenbar weit von sich halten. Die Initiative zur Gründung des Börsenbriefs „Deutscher Aktiendienst“ im Jahr 2012 mit rund 3000 Abonnenten sei von dem mitangeklagten Geschäftspartner Michael J. ausgegangen. Dieser habe die technische Abwicklung organisiert, während er nur für den redaktionellen Teil verantwortlich gewesen sei. Einziges ihm bekanntes Ziel sei es gewesen, einen seriösen und erfolgreichen Börsendienst aufzubauen, um später die Aktien des von J. gegründeten Internethandels Zoo-Gigant AG lukrativ an den Markt zu bringen.

Von den 1,9 Millionen habe er 660.000 Euro an seine Geschäftspartner weitergeleitet, sagte Frick weiterhin aus. Er sei bereit, die bei ihm verbliebenen 1,24 Millionen Euro an das Gericht zu übergeben. Alle übrigen Aktien habe er nach bestem Wissen und gründlicher Analyse öffentlich zugänglicher Informationen empfohlen und dafür auch keine versteckten Zahlungen erhalten.

In Zivilprozessen konnten Fricks Anwälte bisher Ansprüche von Anlegern erfolgreich abwehren. Es soll jedoch zu zahlreichen Vergleichen gekommen sein. Einige Zivilprozesse gegen Frick laufen noch. Ob sich die Erfolgsaussichten für die Anleger durch eine strafrechtliche Verurteilung Fricks verbessern würden, ist aber ungewiss.

„Frick hat gegen Normen verstoßen, die den Markt schützen sollen“, sagt Rechtsanwalt Marcel Seifert von der auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Kanzlei Brüllmann in Stuttgart. „Daraus allein lässt sich nach bisheriger Meinung der Gerichte aber nicht unmittelbar ein Schadenersatzanspruch für Anleger ableiten.“ Die besseren Chancen hätten Anleger deshalb häufig, wenn es in ihren Verfahren zu einem Vergleich komme.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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  • In der Gefängnisbäckerei brauchen sie noch gute Ratschlaggeber. Bei dem Schaden sind mind. 10 Jahre angemessen!

    Wenn er in diesem Umfeld falsche Tipps und Tricks probieren sollte, dann wird die Reaktion schneller und nachhaltiger erfolgen, als unsere Gerichte dies jemals vermögen.

    Diese Subjekte gehören "geteert und gefedert" und den "hirngefressenen Anlegern" sollte man den ergangenen Verlust ein zweites Mal als Strafe auferlegen.

    Diese Typen (Ratgeber und Ratnehmer) besudeln die gesamte Aktienkultur!

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