Nach Insolvenzantrag
Prokon will Windparks verkaufen

Prokon-Chef Rodbertus hat sich zur Zukunft seines insolventen Unternehmens geäußert. Er glaubt an eine Fortführung der Geschäfte. Es seien jedoch Verkäufe geplant. Die Mitarbeiter applaudieren lautstark.
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ItzehoeVor laufenden Kameras, in einer mit Turbinenteilen bestückten kargen Werkshalle, berichtet Prokon-Chef Carsten Rodbertus in Itzehoe über die Schieflage im Öko-Unternehmen - und erhält dafür donnernden Applaus. Wer erwartet hätte, dass ihn mehrere hundert Mitarbeiter auspfeifen, sieht sich getäuscht. Auch der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin muss seine Erklärungen wegen der lautstarken Zustimmung unterbrechen. Die Mitarbeiter hören es gern, als er von der angestrebten Fortführung des Unternehmens spricht. Ob das gelingen wird, ist aber noch offen.

„Wir glauben, dass wir auch in einem vorläufigen Insolvenzverfahren die Fortsetzung des Unternehmens herstellen können“, beteuert Rodbertus. Es seien zwei Gespräche mit Marktteilnehmern über den Verkauf von Windparks geführt worden. Rodbertus sprach von einem „gewissen Anteil“ des Portfolios. Mit dem Verkauf von Windparks werde der Nachweis erbracht, dass es stille Reserven im Unternehmen gebe. Es weist auf seiner Internetseite 314 Windenergieanlagen (Stand: 31.12.2013) aus.

Betroffen von der Prokon-Insolvenz sind 480 Mitarbeiter der Prokon Regenerative Energien GmbH, für die ein Insolvenzantrag gestellt worden ist. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund 1300 Mitarbeiter. Rodbertus räumte Fehler ein, die sein Unternehmen in Schieflage gebracht hätten. Er halte jedoch am Geschäftsmodell fest. „Die Fortführung des Kerngeschäfts, das ist das Windgeschäft, steht für mich außer Frage“, ergänzte der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin. Er werde alles für die Weiterführung des Unternehmens tun. Zunächst werde die Liquiditätslage geprüft. Nach den ersten 24 Stunden sei man jedoch „soweit man das schon sagen kann, auf einem guten Weg“.

Nach Penzlins Angaben ist es bislang aber unklar, ob tatsächlich ein Fall von Insolvenz vorliegt. Der Insolvenzantrag sei „aus Vorsichtsgründen“ gestellt worden, sagte er. Ob eine Insolvenz vorliege, hänge von der rechtlich sehr schwierigen Frage ab, ob das fällige Genussscheinkapital von Anlegern als Forderung berücksichtigt werden müsse oder nicht. Drei Rechtsgutachter seien damit beauftragt worden, diese Frage in den kommenden Wochen zu klären.

Das Problem sei ausschließlich das gekündigte Genusskapital, sagte Penzlin. Deswegen habe der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt werden müssen. Kürzlich hatte das Unternehmen mitgeteilt, 227 Millionen Euro von 1,4 Milliarden Euro an Genusskapital seien gekündigt worden. Neuere Zahlen nannte Penzlin am Donnerstag nicht. Prokon hat rund 75.000 Anleger.

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  • @Leser_A
    Die EEG Zwangsabgabenzahlung ist eine Subventionierung der Erneuerbaren Energieerzeuger. Durch diese EEG-Zwangsabgabe auf der Stromrechnung ist jeder Endverbraucher gezwungen die Windmühlen- Fotovoltaik- und Faulgasbetreiber ihren vom Staat garantierten Profit und Einspeisevorrang zu gewähren. Somit zahlen wir mit der EEG-Zwangsabgabe die Profite (Abzockerbeträge) der Erneuerbaren Energie (EEG) Mafia!

  • @hanwufu
    Und der Staat kann jederzeit, wenn es diesem zu dumm oder machtpolitisch gefährlich wird, eine Sonderabgabe oder Steuer auf die Erzeugung von Windmühlenstrom oder allgemein auf Erneuerbaren Energiestrom verlangen. Siehe Beispiel Spanien oder die Willkürliche vorzeitige Abschaltung der Kernkraftwerke in Deutschland.

  • klar, NEID zieht immer. Wenn der Nachbar im Jahr 350 EUR mit PV macht oder der Dorfbauer mit seinem Windrad versucht, seinen Betrieb mit Zusatzeinnahmen gegen riesige industrielle Agrarfabriken Existenz zu sichern, oder Bürger sich zusammentun um die dt. Energiewirtschaft demokratischer d.h. näher beim Bürger, also Dezentral zu machen - ja das ist ganz schlimm. Atommüll für Jahrhunderte, ganze Landstriche die in Mondlandschaften "umgewandelt" werden und Menschen denen deshalb ihr kompletter Lebensraum mitsamt ihrer Heimat abgerissen wird - nur um einmalig diese Kohle durch den Schornstein zu jagen - ja, das ist ganz sozial und so nachhaltig. Und den Energiemanagern gehört dafür ein jährl. Millionensalär gezahlt. Aber diese Jungs treffen Sie ja nicht jeden Tag. Aber ihren Nachbarn!!

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