Regulierung
Fall Prokon setzt Bundesregierung unter Zugzwang

Gut 1,4 Milliarden Euro haben Anleger bei der pleitebedrohten Prokon investiert. Die Genussrechte sind nicht reguliert, es droht der Totalausfall. Das ruft Verbraucherschützer und die Politik auf den Plan.
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BerlinVor dem Hintergrund der Pleitedrohung des Windparkfinanzierers Prokon fordern Verbrauchschützer auch schärfere Regeln für den Grauen Kapitalmarkt. „Die Bundesminister Maas und Schäuble müssen dafür sorgen, dass der graue Kapitalmarkt besser reguliert und strenger kontrolliert wird. Vor allem müssen sie den Vertrieb umgehend beschränken, so dass diese Produkte nicht mehr beworben und empfohlen werden dürfen“, sagte die Leiterin Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Dorothea Mohn, Teamleiterin, dem Handelsblatt (Dienstagausgabe).  Sogenannte Genussrechte könnten viele Verbraucher in den finanziellen Ruin treiben. Prokon sei dafür nur ein Beispiel in einer Reihe von Skandalen, so Mohn.

Die frühere Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast fordert eine Zulassungspflicht für Prokon-Produkte. Die Regulierung des grauen Kapitalmarkts in der letzten Legislaturperiode habe zu viele Flanken offen gelassen. "Wer wie Prokon knapp 1,5 Milliarden Euro von Einlegern einsammelt und damit massenhaft Finanzprodukte zur Altersvorsorge an Privatanleger vertreibt, muss per Gesetz einer Zulassungspflicht bei der BaFin unterliegen", sagte Künast Handelsblatt Online. Gleichzeitig dürfe eine Regulierung nicht die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen gefährden. "Es ist daher eine abgestufte Regulierung notwendig."

Die Grünen-Verbraucherschutzexpertin Nicole Maisch machte die CDU für den unzureichenden Anlegerschutz wie im Fall Prokon verantwortlich. „Die CDU hat im vergangenen Jahr Bereiche des grauen Kapitalmarkts geregelt, aber sehenden Auges andere Schlupflöcher offen gelassen“, sagte Maisch dem Handelsblatt. Dazu gehörten auch Genussrechte. „Unsere Forderung ist: kein Anbieter, kein Finanzprodukt, kein Vertriebsweg soll unreguliert bleiben“, sagte Maisch.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Regulierung: Fall Prokon setzt Bundesregierung unter Zugzwang"

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  • @pardskrebs - dem kann ich nur in allen Punkten zustimmen, weitere Vorteile bei guten Immobilienkonzepten. Absparen statt ansparen, wovon einen Großteil vom Mieter und ein weiterer Teil durch die steuerlichen Vorteile getragen werden, so dass die Eigenkapitalrendite bei gleichzeitig sehr hoher Sicherheit äußerst attraktiv ist.

  • Das ist mal das Vernünftigste, was ich seit langem in solchen Foren gelesen habe: kurz, klar und korrekt.
    Denn es ist aus Sicht der mehreren tausend gut ausgebildeter, ehrlicher und umsichtiger Berater mehr als ärgerlich, dass jedesmal wenn ein krummes Geschäft (hier nicht erwiesen, aber anzunehmen) ans Tageslicht kommt, direkt alle vergleichbaren Konstrukte mit verurteilt werden.
    Fakt ist jedenfalls, dass der größte Teil in den letzten Jahren Pleite gegangener geschlossener Fonds das BaFin-"Siegel" der Prospektprüfung besaß - leider haben die Verantwortlichen nicht getan, was im Prospekt stand, oder sie haben direkt die völlig überzogenen Kosten im Prospekt festgehalten. Es wird nämlich von der sauberen BaFin ledfiglich geprüft, ob die Angaben vollständig sind, nicht auf Plausibilität!
    Insofern hat eine Prüfung dem Anleger bisher keine Vorteile gebracht.
    Notwendig wären zwei Dinge: eine regelmäßige Überprüfung der Geschäftstätigkeit solcher Gesellschaften (komplex, teuer und auch nur bedingt unanfällig).
    Vor allem aber eine schnelle und drastische Bestrafung der Verantwortlichen, die so abschreckend ist, dass der Betrug am Anleger sich nicht mehr lohnt.
    Ich kenne nämlich leider mehrere Fälle von offensichtlichem Betrug, wo die (Ex-)Initiatoren mit den Millionen der Anleger unbehelligt ein angenehmes Leben führen.
    Fazit: eine Kontrolle im Vorfeld bringt nichts. Damit würde in der Tat die Hürde für den Mittelstand zu hoch gelegt, sondern eine laufende Prüfung der Verwendung der Gelder ist erforderlich.
    Dasselbe gilt übringens für Versicherungen und Banken, deren eigennütziges Handeln leider staatlich legitimiert ist.
    Für den Anleger und seinen versierten Berater bleibt da außer der Immobilie in guter Lage nicht mehr viel Auswahl - aber die schleichende Enteignung der Bevölkerung ist ja ohnehin beschlossene Sache...

  • Prokon ist wohl das Opfer einer Kampagne von Interessenvertretern z. B Banken Sparkassen und Stromerzeugern geworden.
    Dem Handelsblatt rate ich die sogenannten Verbraucherschützer besser unter die Lupe zu nehmen,
    denn das Wissen dieserPersonen ist häufig mangelhaft und sollte auch geprüft werden.
    Ein Anlage berater der seit 32 Jahren am Markt ist.

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