Streit um Vermögens-Ranking
Darf Reichtum ein Geheimnis sein?

Wer sind die Reichsten im ganzen Land? Jahr für Jahr beantworten Medien diese Frage mit neuen Rankings. Aber dürfen sie das? Ein wohlhabender Deutscher wehrt sich jetzt vor Gericht gegen die Veröffentlichung seines Vermögens.
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MünchenDürfen Medien Ranglisten der reichsten Menschen in Deutschland veröffentlichen? Mit dieser Frage befasst sich seit Mittwoch das Landgericht München. Ein Magazin hatte eine Liste mit den reichsten Deutschen veröffentlicht und darin jeweils das geschätzte Vermögen genannt. Dagegen wehrt sich einer der dort Genannten mit einem Verbotsantrag vor der 9. Zivilkammer des Landgerichts.

Die finanziellen Verhältnisse seines Mandanten seien Privatsache und die im Magazin genannte Vermögenssumme zudem falsch, argumentierte sein Anwalt Christian Schertz zum Prozessauftakt. „Ein Privatmann muss es nicht dulden, in so einer öffentlichen Hitparade aufzutauchen.“ Schertz kündigte an, den Fall notfalls durch alle Instanzen auszufechten, um eine Grundsatzentscheidung herbeizuführen.

Einen vergleichbaren Fall gab es nach Einschätzung des Vorsitzenden Richters Thomas Steiner in Deutschland noch nicht. „Es ist verblüffend, dass es keinen Präzedenzfall gibt.“ Ein Grundsatzurteil in dem Fall könnte nach Einschätzung von Juristen auch Folgen für die Veröffentlichung von anderen Rankings in deutschen Medien haben.

Die Liste der reichsten Deutschen wird bereits seit Jahren von dem Magazin veröffentlicht. „Der Tüchtige muss es hinnehmen“, sagte der Anwalt des Verlags, Konstantin Wegner. In der Zeitschrift werde aber darauf hingewiesen, dass die Angaben auf Schätzungen beruhen. „Das mag nach oben und unten abweichen.“ Dennoch seien die Angaben nicht aus der Luft gegriffen, sondern stützten sich auf soliden Bewertungsgrundlagen.

Aus Sicht des Gerichts wirft der Fall zwei verschiedene Fragen auf. Zum einen, ob eine derartige Liste überhaupt veröffentlicht werden darf, zum anderen, ob deren Inhalte korrekt sein müssen. „Es ist eine spannende Frage, ob Vermögen ab einer gewissen Größe berichtenswert ist“, sagte der Richter. Bei einem normalen Bürger sei es zwar Privatsache, was er auf dem Sparbuche habe. Große Vermögenswerte seien hingegen auch Thema gesellschaftlicher Diskussionen, wie beispielsweise bei Bill Gates, dem Gründer des US-Softwarekonzerns Microsoft.

Das tatsächliche Vermögen des Klägers blieb in dem Verfahren offen. Es könne nicht sein, dass er die Beweislast trage und dies nennen müsse, sagte Anwalt Schertz. „Sonst könnte jeder eine völlig willkürliche Liste veröffentlichen und sagen: Beweise uns das Gegenteil.“ Nach einer rund einstündigen Verhandlung wurde das Verfahren zunächst unterbrochen. Ein Termin für eine Entscheidung stand noch nicht fest.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Streit um Vermögens-Ranking: Darf Reichtum ein Geheimnis sein?"

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  • Aus meiner Sicht soll jeder Wissen, dass ein F1-Fahrer mit
    Autofahren Milliarden verdient - aber halt - das Geld verdient er mit generieren von Werbekontakten - warum soll das geheim bleiben - das womit die eine kleine Gruppe eine grosse Gruppen monetär auslutscht?

  • Hoffentlich gibt so etwas wie eine rudimentaere privatspaehre im lande des ohnehin weitestgehend glaesernen buergers noch.

    Dem krankhaften neid, der sich u.a. aufgrund von vermoegensrankings im volke breit macht/breit gemacht hat, sollte ein riegel vorgeschoben werden.

    Ich hoffe, dass der klaeger recht bekommt.

  • Einfache Lösung: Sobald er kein Deutscher mehr ist, erscheint er auch nicht mehr in einem solchen Ranking. Konsequenz: raus aus D. Es hätte auch noch andere Vorteile.

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