Streitfall des Tages
Wenn die Wärmedämmung zum Albtraum wird

Die Planung ist das eine, die Umsetzung das andere: Bei der energetischen Sanierung passieren viele Fehler. Neubauten und Bestandsobjekte sind betroffen. Die Folgen für die Immobilienbesitzer sind unkalkulierbar.
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Der Fall


Das Einfamilienhaus ist in die Jahre gekommen. Deswegen entschließt sich der Eigentümer, ein neues Dachgeschoß zu bauen und das ganze Gebäude mit neuen Fenstern auszustatten: dreifach verglast. Die Wände aus massiven Ziegeln will er so belassen wie sie sind. Natürlich sollen sich die Investitionen lohnen: Der Eigentümer hofft auf deutlich niedrigere Heizkosten. Laut Energieeinsparverordnung liegen die Planungen im grünen Bereich.

Was niemand bemerkt: Mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten von 1,3 sind die Wände jetzt schlechter gedämmt als die Fenster mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten von 1,0. Statt an den Scheiben schlägt sich die feuchte Luft im Winter also an den Wänden nieder. Die Folge: Schimmel. Da hilft nur eine Lüftungsanlage. Für den Eigentümer heißt das: nachbessern.

Die Rechtsgrundlage


Je besser ein Gebäude isoliert ist, desto weniger Energie verbraucht es zum Heizen. Welche Anforderungen ein Haus in dieser Hinsicht erfüllen sollte, wird gesetzlich mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) geregelt, die 2009 zuletzt novelliert wurde.

Ziel der geänderten Fassung ist es, im Hinblick auf den Klimaschutz den Energiebedarf für Heizung und Warmwasser bei Gebäuden um etwa 30 Prozent zu senken.
Zusätzlich gilt für Neubauten auch das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG), das Gebäudeeigentümer verpflichtet, beim Heizen anteilig erneuerbare Energien zu nutzen.

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wenn die Wärmedämmung zum Albtraum wird"

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  • Dabei konnte Berlin auf all die Verbandswürstchen und Experten zurückgreifen, die offenkundig in endlosen Arbeitskreisen nie das Niveau der 3. Klasse der alten Realschule in Physik (Taupunkt) erreichten.

    Vielleicht sind die Wärmedämmungsverordnungen ja auch schon erste Erfolge der vielen Bildungsreformen.

  • Die Wärmedämmung selbst ist der Albtraum. Behördlicher Allmachtswahn und grüne Geiferideologie zwingen (nur in Europa) zu physikalisch abenteuerlichen "Verbesserungen". Das Ganze erinnert stark an den Flachdachwahnsinn der 60er und 70er, wo ebenfalls Bürokraten meinten, sie könnten die Physik per Verordnung übertrumpfen - das Wasser floss trotzdem nach unten.

    Und nun schafft man es nicht, per Dekret den Taupunkt abzuschaffen. Ein Milliardendesaster, wo dann keiner die Verantwortung tragen wird. Und wie immer bei den Öko-Vorschriften geht es massiv gegen die Hygiene. So wie die braunen Tonnen ein Maden- und Rattenförderprogramm darstellen, so ist die Wärmedämmung ein äußerst effektives Mittel zur Verbreitung von Schimmel mit all den Folgen für die Volksgesundheit.

  • Ich habe neu gebaut. Gesamtenergiebedarf < 18 kWh/m²a.
    Ich habe zwar auch Photovoltaik, aber nicht aus wirtschaftlichen Gründen.
    Meine Gesamtstromkosten: ca. 5 € /m²a, davon die Hälfte HZ u WW, Rest Lüftung und Haushalt.
    Zugegebenermaßen ist Altbausanierung was anderes, als Neubau. Aber den Wärmewiderstand des Gebäudes würde ich doch mal rechnerisch erfassen, um Dämmaßnahmen fundiert beurteilen zu können.

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