Streitfall des Tages
Wenn Kunden ihre Bank verklagen

Wenn es um die Provision und geheime Verkaufsanreize geht, werden Banker plötzlich ganz still. Doch die Kunden wollen das nicht länger hinnehmen und gehen vor Gericht. Was Bankberater sagen müssen und was nicht.
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Der Fall


Die ältere Dame war schon lange Kundin bei der Sparda-Bank in München. Sie bat um ein Beratungsgespräch hinsichtlich der Investitionsmöglichkeiten eines Geldbetrages aus einer ausbezahlten Kapitallebensversicherung. Dieses fand dann auch statt. Mit der Leiterin der Sparda-Bank-Filiale.

Der geneigten Investorin wurde dann eine Beteiligung an der Live Trust Sechs GmbH und Co. KG empfohlen und eine Informationsbroschüre überreicht. Damit nicht genug. Es wurde ein weiterer Termin vereinbart. Und diesmal war zusätzlich noch ein Anlagespezialist dabei. Der Spezialist wurde beratend und vermittelnd tätig.

Was der Kundin zu diesem Zeitpunkt nicht klar war: Der Spezialist wurde für eine Sparda International tätig, ein Gemeinschaftsunternehmen der Sparda-Bank Villach/lnnsbruck und besagter Sparda-Bank München. Im Anschluss an das Gespräch zeichnete die Kundin dann eine Treuhandbeteiligung an der Life TrustSechs GmbH & Co. KG in Höhe von 62.000 Euro zuzüglich vier Prozent Agio, insgesamt 64 480 Euro. Zu keinem Zeitpunkt wurde der Kundin gesagt, dass für die erfolgreiche Empfehlung Provisionen fließen. Hätte die Kundin das gewusst, wäre die Zeichnung unterblieben.

Einige Jahre später wollte es die Anlegerin dann doch wissen, und forderte sowohl Sparda-Bank, als auch Sparda International per Anwaltsschreiben auf, Auskunft über gezahlte Provisionen und ähnliche geldwerte Vorteile zu geben. Schließlich ließe sich dann besser beurteilen, ob im Rahmen der Anlageberatung ausschließlich Anlegerinteressen oder auch Eigeninteressen verfolgt wurden. Die Sache landete vor Gericht.


Die Gegenseite


Beide lehnten die Auskunft ab. Die Sparda Bank lies wissen, nicht sie, sondern die Sparda International habe beraten. Letztere behauptete wiederum, freier Anlageberater und keine Bank zu sein. Sie sei eben nicht der Sparda-Bank München zuzuordnen. Denn diese halte nur eine Minderheitsbeteiligung an ihr. Und deswegen müsse sich auch nichts zu den geflossenen Provisionen sagen. Zudem sei ein Anspruch auf Auskunft ohnehin verjährt.

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wenn Kunden ihre Bank verklagen"

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  • GENOSSENSchaftsbanken: Nichtmal eigene Papiere als Sicherheit in Höhe des NOMINALKAPITALs ...

    Aber Bilanzieren wie die Angelsascsen (im ersten Jahr nciht udn im Zowten anderthalb Jahre, falls das erste Geschäftsjahr weniger ls sech Monate lang war) - der JAHERSABSCHLUSSKOSTEN wegen.

    Die Engländer sind da spitze was die Freundlichkeit Richtunge klienr Btriebe angeht. Die Sagen auch: was barcuht der Fliesenleger ein Stammkapital von 25 TSd Eruonen? Dre Braucht zum Geldverdienen ein Handy nen Eimer und ne Kelle - und den Schutz das allenfalls das weg ist faklls es nicht klappt - das wars.

  • lieber Buerger, Sie übersehen da einen großen Unterschied zwischen dem Kauf einer Sache und dem Kauf einer Kapitalanlage. Beim Kauf einer Sache weiß ich genau, was ich bekomme, nämlich z. B. einen Fernseher mit einer bestimmten Ausstattung. Was mir der Fernseher wert ist, kann ich deshalb genau feststellen. Bei Kapitalanlagen ist das oft anders. Um deren Wert einschätzen zu können ist es wichtig zu wissen, wieviel vom Anlagebetrag investiert wird. Gehen davon hohe Provisionen ab, ist die Anlage mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger wert als wenn der gesamte Anlagebetrag investiert wird. Aus diesem Grund ist es notwendig zu wissen, wie hoch die Provisionen sind. Außerdem kann man das Interesse des Beraters, einem gerade die betreffende Anlage zu empfehlen, an der Höhe der Provision, einschätzen.
    www.bankrechts.info

  • @Buerger: Bei Banken regelt der Markt ebend nicht alles von ganz allein. Sonst hätten viele, viele nicht überlebt.

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