Streitfall des Tages
Wenn sich Banker auf Kosten der Kunden bereichern

Die höheren Leitzinsen geben die wenigsten Banken an die Sparer weiter. Dafür erhöhen viele Institute die ohnehin schon hohen Kreditzinsen. Kunden fühlen sich ausgenommen. Wann der Wechsel der Hausbank lohnt.
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Der Fall

Mit einem Zins von 2,0 Prozent wirbt die Deutsche Bank für Festzinssparen. Die überdurchschnittliche Konditionen gelten allerdings nur für Neukunden. Bestandskunden müssen sich trotz der Anhebung der Leitzinsen mit weniger als einem Prozent Zins begnügen.

Der Marktführer gab die Erhöhung ebenso wenig an seine Kunden weiter wie die meisten Institute der Volksbankengruppe und der Sparkassen. Das zeigt eine Erhebung der FMH Finanzberatung für Handelsblatt Online.

Dafür hat die Deutsche Bank als eines von elf Instituten im Land bereits die Zinsen für Dispo- und Überziehungszinsen angehoben. Das Aktiv-Konto rangiert damit in der teuersten Liga. Liegt der Mittelwert beim Dispo derzeit bei weniger elf Prozent, so kassiert die Deutsche Bank für eine vereinbarte Überziehung 13 Prozent Zins per anno. Die  geduldete Überziehung schlägt sogar mit 18 Prozent zu Buche.

Verbraucherschützer sind seit längerem alarmiert. Denn die meisten Finanzinstitute haben seit Ausbruch der Finanzkrise die Überziehungszinsen nicht angepasst, obwohl  sie sich zwischenzeitlich zu einem Prozent refinanzieren konnten. Erst nach Abmahnungen und Klagen passten einige Institute die Konditionen an.

 .

Die Gegenseite

Der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) vertritt 2300 Finanzinstitute in Deutschland. In einer Stellungnahme verweist er gegenüber Handelsblatt Online darauf,  dass der Dispositionskredit ein besonders kurzfristig nutzbares Angebot für die Kunden ist. Diese hohe Flexibilität spiegele sich auch in den Zinsen wider.

So wäre der laufende Aufwand für Vorhaltung und Überwachung für die Kreditinstitute höher als bei anderen Privatkrediten. Außerdem bestehe im Vergleich zu besicherten Krediten ein erhöhtes Ausfallrisiko. Banken würden zudem nur die Spitzen ihres Liquiditätsbedarfs über die Europäische Zentralbank finanzieren. Deshalb sei die Höhe des EZB-Zinssatzes nicht mit den Refinanzierungskosten der Banken gleichzusetzen. 

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wenn sich Banker auf Kosten der Kunden bereichern"

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  • Durch die Einlagensicherung bis 100 000 € gibt es bessere Angebote als die der Deutschen Bank mit den "mickerigen" Guthabenzinsangeboten! Unbedingt wechseln (bei Bankverbindungen gibt es keine "Nibelungentreue"!!

  • Meinem Vorredner rechtgebend: undifferenzierte, an der Realität vorbeigehende Betrachtung. Vielleicht sollte man mal auf die Bundesbank Zinsstatistik schauen statt auf Analysen der tollen FMH

  • Zu dem "Experten-Rat", beim Tagesgeld immer nur zum "Bestpreisanbieter" zu wechseln, kann ich nur sagen: Lange Zeit führte die isländische Kaupthing-Bank alle Tagesgeldrankings an. Und "Experten" wissen, was aus dieser Bank und ihren Anlegern geworden ist...

    MfG

    Ein Experte

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