Streitfall des Tages
Wie Abzocker Tippfehler im Internet ausnutzen

Ein Tippfehler reicht und Internetnutzer landen auf Seiten, wo sie gar nicht hinwollten. Abzocker nutzen das aus für Werbung oder kriminelle Machenschaften. Welche Seiten betroffen sind und wo Tippfehler teuer werden.
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Der Fall

Die Internetadresse der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz lautet www.vz-rlp.de. Sich da zu vertippen ist fast programmiert. Schließlich ist die Buchstabenfolge „pl“ geläufiger als „lp“. Wer also aus Versehen www.vz-rpl.de eingibt, landet auf einer Website, die auf den ersten Blick eine Seite einer Verbraucherzentrale sein könnte. Mit Stichworten wie Verbraucherschutz Online, Baufinanzierung, Geldanlage, Rauchmelder und Mahnverfahren.

Erst beim zweiten Hinsehen zeigt sich: Das ist alles Werbung. Verbraucher, die eigentlich nach einer unabhängigen Beratung gesucht haben, landen unversehens bei Links von Banken, Versicherungen und anderen gewerblichen Anbietern. Das Motiv solcher Online-Trittbrettfahrer: Jeder Klick irritierter Kunden beschert ihnen Werbeeinnahmen.

Die Gegenseite

Der Betreiber der Website www.vz-rpl.de ist eine Firma mit Namen „Integral Assets Ltd.“, die laut dem Ländercode KN in Saint Kitts and Nevis, einer Inselgruppe in der Karibik, ansässig ist. Diese Firma unterhält jede Menge weiterer Nachahmer- und Tippfehler-Domains: www. nivea-baby.de beispielsweise oder studievz.de. Insgesamt hat das Unternehmen aus der Karibik derzeit 3203 weiterer Domains für sich gebucht, sagt das Domaintool www.domaintool.com.

Der Experte

„Immer wieder erleben wir es, dass Trittbrettfahrer den Namen der Verbraucherzentrale für ihre Zwecke missbrauchen“, sagt Christian Gollner, Rechtsexperte bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Der Höhepunkt ist bislang eine Internet-Seite, die das Layout der Seiten der Verbraucherzentralen fast vollständig identisch abbildet.“

Doch dagegen vorzugehen, hält Gollner für ein aussichtsloses Unterfangen: „Die Hintermänner solcher Seiten verstecken sich meist im Ausland und machen sich unerreichbar.“ Und selbst wenn es gelingen sollte, das Betreiben einer Seite zu untersagen, bringt das nach Gollners Einschätzung wenig: „Solche Unternehmen werden nach kurzem Namenswechsel wieder in derselben Sache aktiv.“

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