S&K-Prozess im Endspurt
„Strafprozess heißt Hören und Staunen“

Es ist fast geschafft: Am kommenden Mittwoch sollen im S&K-Prozess die Urteile verkündet werden. Am Tag der Plädoyers liefen viele Anwälte und Angeklagte noch einmal zu Hochtouren auf. Ein besonderes Schauspiel.
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FrankfurtAm letzten Verhandlungstag vor der Urteilsverkündung im S&K-Strafverfahren wurde Raum I im Gebäude E des Frankfurter Landgerichts noch einmal zur Bühne. Mitmachen durfte jeder: Staatsanwälte, Verteidiger, Richter, Angeklagte sowie die Anwälte der Nebenbeteiligten. Die Beiträge waren mal sachlich, mal emotional. Sie heischten nach Lachern und nach Mitleid. Teils stand die Information im Mittelpunkt und teils wollten die Vortragenden wohl nur die letzte Chance nutzen, um in diesem Mammutprozess endlich auch mal etwas zu sagen. Am Ende fasste der Vorsitzende Richter Alexander El Duwaik das Schauspiel treffend zusammen: „Strafprozess heißt Hören und Staunen – davon kann man sich hier immer wieder überzeugen.“

In den vergangenen anderthalb Jahren gab es dazu in dem Prozess um die beiden Gründer der Frankfurter Unternehmensgruppe S&K sowie ursprünglich vier Mitangeklagte schon reichlich Gelegenheiten. Seit Beginn der Hauptverhandlung im September 2015 wurde an rund 110 Tagen verhandelt. Mal dauerten die Sitzungen nur wenige Minuten, weil Verteidiger den weiteren Ablauf mit Befangenheitsgesuchen gegen die Richter und allerlei Beweisanträgen blockierten, mal dauerten sie bis weit in die Abendstunden, wie auch an diesem Mittwoch. „Heute ist das ‚grande finale‘“, raunte eine Anwältin zu Beginn der Sitzung – und sie sollte Recht behalten.

Wäre es ein Wettbewerb gewesen, Oberstaatsanwalt Noah Krüger hätte den Preis in der Kategorie „sachlich“ bekommen. „Uns allen ist es gelungen, uns auf die Situation einzustellen, gewohnte Feindbilder über Bord zu werfen und der Realität ins Auge zu schauen“, begann Krüger das Plädoyer und meinte damit sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Seite der Angeklagten. Dass es überhaupt dazu kam, ist aber vor allem sein Verdienst. Das sehen auch die Angeklagten und Verteidiger so und überboten sich geradezu mit Lob und Dankesreden.

Kurz vor Jahreswechsel hatte Krüger die Angeklagten zu Verständigungsgesprächen eingeladen. Seitdem geht alles rasend schnell: Im Eiltempo wurden die letzten Zeugen gehört, das Gericht wurde in die Verständigungen einbezogen, es wurden Deals geschlossen, die Betrugsvorwürfe wurden fallengelassen, die Angeklagten legten Geständnisse zu ihrer Untreue ab – und nach den gerade gehaltenen Plädoyers folgen am kommenden Mittwoch schon die Urteile.

Krüger war erst im vergangenen Mai zu dem Verfahren gestoßen. Sein Vorgänger, Oberstaatsanwalt Andreas Hohmann, hatte gemeinsam mit Staatsanwalt Thorsten Haas eine 3150-seitige Anklageschrift verfasst, die seit Prozessbeginn für viel Streit gesorgt hatte – schon wegen ihrer Länge, aber auch wegen der Art der Formulierungen. Von einem „ausschweifenden Lebensstil“ der S&K-Gründer Stephan Schäfer (37) und Jonas Köller (35) ist darin beispielsweise die Rede, ebenso von „teuren Reisen und Luxusfahrzeugen“ – auch eine Kostenauflistung der Party zu Köllers 30. Geburtstag ist enthalten, mit den Preisen für eine Dame im überdimensionalen Champagnerglas und sowie den Kosten für Zebras plus Elefant.

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