Zahlungsverkehr
Der Fluch des Bargelds

Deutsche lieben Bargeld. Die Banken könnten auch ohne, denn sie kostet die Bargeldversorgung vor allem Geld. Kreditkartenanbieter setzen auf ihre Produkte. Händler stöhnen über Gebühren - alles über den „Schein-Kampf“.
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DüsseldorfAls Jens Neumann vergangene Woche im Supermarkt einen 5-Euro-Schein als Wechselgeld erhielt, stutzte er. Das sollte ein echter Schein sein? Die Kassiererin nickte, das knickfreie Exemplar war quasi direkt aus der Druckmaschine in die Kassenschublade geliefert worden.

Nur wenig später machte der 26-jährige Düsseldorfer schlechte Erfahrungen mit der Banknote: Der Zigarettenautomat vor der Haustür spuckte den Schein wieder aus. Auch 100 Meter weiter klappte es nicht. Und selbst an der Tankstelle nochmal 250 Meter weiter rümpfte der Kassierer zunächst die Nase.

Die Last mit dem Bargeld trifft viele Tausend Deutsche, die in diesen Tagen mit dem neuen Fünfer an Fahrkarten- oder Parkhausautomaten zahlen wollen. Das drückt die Umsätze vieler Automatenaufsteller, die wegen des frischen Scheins in ein Update für die Lesesoftware ihrer Geräte investieren müssen – denn manch einer hat die Umrüstung nicht rechtzeitig geschafft.

Doch selbst wenn Bargeld problemlos an Automaten und Kassen angenommen wird, verursacht es hohe Kosten. Eine Studie der Steinbeis-Hochschule Berlin, die am Dienstag in Frankfurt vorgestellt wurde, zeigt, dass Händler und Dienstleister jährlich rund 6,7 Milliarden Euro ausgeben, um Bargeldzahlungen zu ermöglichen. Die wesentlichen Kostentreiber sind dabei die Personalkosten, die durch Mehrfachzählungen und das Vier-Augen-Prinzip zur Kontrolle der Bestände entstehen.

Hinzu kommen in diesen Tagen noch Kosten für die Automatenumstellung auf den neuen 5-Euro-Schein. Bei der Deutschen Bahn etwa hat einer der Automatenhersteller das Update für die neuen Scheine nicht mehr pünktlich zur Einführung der Banknoten installiert. Die Folge: Zum Start der neuen Scheine waren laut Deutscher Bahn „deutlich unter 1000“ der insgesamt 7000 Fahrkartenautomaten nicht umgerüstet – die Kunden konnten an diesen Automaten nicht mit ihren neuen Scheinen bezahlen.

Kommentare zu " Zahlungsverkehr: Der Fluch des Bargelds"

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  • Irgendwie verstehe ich diese Hysterie nicht.
    Geld ist meiner Meinung nach eine reine Glaubenssache.
    Glauben viele an den Wert ( vor allem die BigBoys) steigt das Ansehen/Wert.
    Dies gilt aber sowohl für das Real- als auch das Giralgeld.
    Was die Anonymität des Bargeld angeht, ist diese seit der zweiten Serie des Euro vorbei.
    Seit dieser Serie läßt sich der Geldfluß der Geldscheine verfolgen.
    Dazu wurden die PgUs (Papiergeld Umschlagstellen, also Banken, Werttransportunternehmen, Handelskonzerne uä. ) mit speziellen Scannern ausgestattet.
    Diese Scanner sammeln Informationen über die Geldscheine und senden diese an bestimmte Server.
    Dh. A hebt Geld vom Konto ab - registriert
    A bezahlt mit dem Geld beim Aldi - registriert
    A bezahlt beim Bäcker, Bäcker bringt das Geld zur Bank - registriert
    Usw, usw.
    Bisher sind noch nicht alle PgUs ausgestattet, ist aber nur eine Frage der Zeit.
    Das Ganze hat noch einige Unschärfen.
    Zb lassen sich umschlagstarke Scheine wie 5- 10- er nur schwer verfolgen.
    Je höher der Wert umso genauer ist der Weg der Geldscheine nachvollziehbar
    Ein weiteres Manko ist derzeit noch, daß der Bäcker mit dem Geldschein von A seinen Angestellten bezahlen könnte.
    Damit wird die Verfolgung verunreinigt. Aber auch das ist nur eine Frage der Zeit bis Geldprüfgeräte mit den Scanner ausgestattet und zur Pflicht werden.
    Natürlich nur im Sinne der Mafia- und Terrorbekämfung.
    Und die Planung sieht keine 5 Jahre dafür vor.
    Darüber sollte das HB berichten.
    Wer noch glaubt, daß Bargeldzahlungen anonym sind, soll es ruhig weiterhin tun.

    Und wenn das Bargeld irgendwann abgeschafft wird (ich glaube nicht dran) dann wird es bestimmt irgend ein Graubereich geben wie anonym bezahlt werden kann.
    Und wenn es der Tausch ist, es wird sich schon ein Weg finden, da glaube ich fest dran.

  • Zitat HB:"Die Autoren der aktuellen Studie – deren Vermarktung von MASTERCARD unterstützt wird – empfehlen, den Anteil der Kartenzahlungen zu steigern, um die Gesamtkosten der Zahlungsvorgänge reduzieren zu können. Da die Privatpersonen ihr Zahlungsverhalten aus eigenem Antrieb nur langsam ändern, müssten externe Anreize gesetzt. Das könne beispielsweise die Einführung einer Transaktionsgebühr sein sowie Gebühren für Ein- und Auszahlungen von Bargeld an Automaten sowie am Bankschalter."
    Damit hat sich das HB endgültig als unglaubwürdig erwiesen!

  • Eine bargeldlose Welt ist der ultimative Überwachungsalptraum.

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