Anwälte reagieren mit neuen Geschäftsmodellen
Firmen wollen mehr als bloße Rechtsberatung

Als "Unternehmensberater mit Schwerpunkt Recht" hat sich ein prominenter deutscher Wirtschaftsanwalt einmal bezeichnet. Diese Berufsauffassung dürfte seinen Mandanten gefallen. Denn sie verlangen von ihren Rechtsberatern längst mehr als nur juristische Fachkenntnisse. Für ihre Rechtsprobleme wollen sie maßgeschneiderte Lösungen, die umsetzbar sind und sich für das Unternehmen rechnen.

KÖLN. Dafür müssen Anwälte nicht nur viel ökonomischen Sachverstand mitbringen. Bestenfalls kennen sie sich auch in dem jeweiligen Unternehmen und in dessen Marktumfeld gut aus. Viele Wirtschaftskanzleien fordern in ihren Stellenanzeigen "Verständnis für die wirtschaftlichen Zusammenhänge" von potenziellen Mitarbeitern. Das aber reicht den Unternehmen längst nicht mehr. "Das setzen wir schlicht voraus", sagt Ingo Macht, Leiter Vertragsrecht beim Softwareunternehmen SAS Institute in Heidelberg. Auch betriebswirtschaftliches Grundlagenwissen gehört für Rechtsberater von Unternehmen heute zum Pflichtprogramm. "Dass ein Wirtschaftsanwalt Bilanzen lesen können muss, versteht sich von selbst", sagt Ingo Macht. "Er muss darüber hinaus aber auch die Besonderheiten und Auswirkungen der einzelnen Bilanzierungsmethoden kennen, weil die sich oft auf das Ergebnis auswirken", so der Chefjurist weiter. "Und was nutzt die schönste Rechtsberatung, wenn sie kein gutes Resultat erzielt."

Unter einem optimalen Ergebnis verstehen die gewerblichen Mandanten oft etwas anderes als ihre Rechtsbeistände. Ingo Macht nennt ein Beispiel: "Anwälte vertreten in Konflikten oft knallhart die für richtig gehaltene Rechtsposition. Wenn sie am Ende damit obsiegen, dem Unternehmen durch die Auseinandersetzung aber ein wichtiger Kunde oder Geschäftspartner verlorengeht, war die Rechtsberatung insgesamt nicht erfolgreich." Gleiches gilt, wenn Anwälte juristische Höchstleistungen vollbringen, das Ergebnis für den Mandanten aber nicht durch- oder umsetzbar ist.

Die Anwälte müssen die Rechtsprobleme daher aus der Sicht des Unternehmers angehen - und wissen, wie die Firma funktioniert. "Im Idealfall kennt der Rechtsberater die Marktposition, die strategische Ausrichtung und die operativen Prozesse seines Mandanten", skizziert Ingo Macht seine Anforderungen. Die sieht er häufig nicht hinreichend erfüllt: "Manchen Anwälten muss man in Verhandlungen noch intensiv erklären, wie die Zusammenhänge sind", so der Unternehmensjurist.

Die Anforderungen der Kunden zu erfüllen ist für Anwälte aber keinesfalls nur lästige Pflicht. Wer hierauf mit einem entsprechenden Beratungsangebot antwortet, darf auf regen Zuspruch der Mandanten hoffen - und damit auf einträgliches Geschäft. Manche Wirtschaftskanzleien haben bereits reagiert, etwa indem sich ihre Anwälte über die fachliche Spezialisierung hinaus auf bestimmte Branchen fokussieren.

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