Fallstricke
Viele Erben haben Anspruch auf Pflichtanteil

Nicht nur der Widerruf einer Schenkung kann problematisch sein. Wer undankbare Kinder und Verwandte gleich ganz enterben will, gerät ebenfalls in die Mühlen der Juristerei.

Kinder aus erster Ehe fühlen sich gegen die Halbgeschwister aus zweiter Ehe ausgetrickst, Ehefrauen von unerwartet aufgetauchten Geliebten verdrängt, Eltern von Schwiegerkindern ausgenutzt - die Liste ist lang. Aber vererben nach Gusto sieht das deutsche Gesetz nicht vor. Es definiert so genannte Pflichtteilsberechtigte. Sie haben ein unangreifbares Recht auf einen Teil des Vermächtnisses. Außer wenn der Verstorbene sie enterbt hat, weil sie ihn aufs Gröbste missachtend behandelt haben und erbunwürdig sind.

Den Pflichtteilsanspruch anzufechten ist meist aussichtslos. Laut Gesetz verwirken Enterbte ihn nur in Ausnahmefällen, etwa wenn Kinder ihre Eltern vor deren Tod verprügelt oder bestohlen haben. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will Enterbungen zwar erleichtern. Details stehen aber noch nicht fest, der Entwurf steckt noch in den Anfängen. Anspruch auf einen Pflichtteil haben die nächsten Angehörigen: Kinder (egal, ob ehelich, unehelich, adoptiert oder noch ungeboren), Enkel, Urenkel, Eltern und der Ehegatte. Entferntere Verwandte, Stiefkinder und-eltern gehören nicht dazu.

Nun kommt die entscheidende Feinheit: Einen Pflichtteil kann nur verlangen, wer auch erbberechtigt ist - es geht dabei um Erben erster und zweiter Ordnung. Solche erster Ordnung sind Kinder, Enkel, Urenkel; zur zweiten Ordnung zählen Eltern und Geschwister. Für den Pflichtteil heißt das: Solange Erste-Klasse-Erben vorhanden sind, geht die zweite Klasse leer aus. Nur wenn die erste Klasse leer ist, kommt die zweite zum Zug.

Und wie viel steht den Verwandten als Pflichtteil zu? Die Hälfte dessen, was sie bekommen würden, wenn der Tote kein Testament gemacht hätte. Und nicht nur das. Denn alle Schenkungen in den letzten zehn Jahren vor dem Tod des Erblassers zählen bei der Berechnung des aufzuteilenden Vermögens mit, daraus wird der Pflichtteil gezogen. Enterbte Frauen oder Kinder können also nicht nur ihren Anteil am Erbe, sondern auch beispielsweise an einer Immobilie fordern, die der Verstorbene vor seinem Tod verschenkt hat. Besonders ärgerlich: Bei einer Schenkung, die an eine Gegenleistung wie ein Wohnrecht oder eine Zusatzrente geknüpft sind, können Enterbte sogar einen Anteil fordern, wenn die Schenkung noch länger zurückliegt.

Enterbungen kommen in den besten Familien vor. "Die meisten Streitigkeiten erlebe ich zwischen Kindern und Stiefmüttern", sagt Lauck. Eine der Konstellationen: Ein Mann will das Vermögen seinen Kindern zukommen lassen. Die sind aus erster Ehe, seine zweite Frau soll daher leer ausgehen. Die Frau ficht das Testament an und fordert die Kinder auf, ihr einen Anteil am geerbten Vermögen auszuzahlen. Dieser Pflichtteil beträgt bei Ehegatten in der Regel 25 Prozent.

Wer Streit vermeiden möchte, verzichtet auf die Radikallösung mit dem Enterben. "In solchen Fällen sollte der Mann seine zweite Frau mit einem Vermächtnis absichern", rät Lauck. Gängige Variante: Die Kinder werden im Testament verpflichtet, die Stiefmutter im vererbten Haus wohnen zu lassen oder ihr eine Zusatzrente zu zahlen.

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