Finanzbranche fordert eine klare und einheitliche Regelung
Banken werden zu kleinen Finanzämtern

Für Finanzkonzerne und Fondsgesellschaften erhöht sich durch die Abgeltungsteuer der Aufwand erheblich: Denn die Abgeltungsteuer ist eine Quellensteuer und wird deshalb dort abgeführt, wo sie anfällt - nämlich bei den Geldhäusern.

FRANKFURT. Knapp drei Monate vor Einführung der Abgeltungsteuer am 1. Januar 2009 kommt auf Banken, Sparkassen und Fondsgesellschaften vor allem eines zu: Arbeit. Denn noch immer verhandelt die Finanzbranche mit dem Gesetzgeber über einige Details der neuen Steuerregeln. Und so lange das entsprechende Gesetz nicht verabschiedet ist, weiß niemand genau, was zum 1. Januar 2009 wie zu behandeln ist. Deswegen testen die Banken momentan gleich mehrere Arbeitsabläufe, um im Ernstfall nicht in Schwierigkeiten zu geraten.

Banken und Fondsgesellschaften werden künftig zu einer Art vorgelagerter Minifinanzämter. Denn die Abgeltungsteuer ist eine Quellensteuer und wird deshalb dort abgeführt, wo sie anfällt - nämlich bei den Geldhäusern. Die einbehaltene Steuer wird dann an das zuständige Finanzamt überwiesen. Dieser Prozess ist wiederum mit einer Vielzahl von IT-Schnittstellen, Datensätzen und Formularen verbunden. Das bedeutet viel Arbeit für die Banken, auch weil die gesetzliche Situation noch immer nicht geklärt ist. Schon jetzt werden bei den Kreditinstituten Mitarbeiter eingeteilt, die notfalls auch per Hand Daten in den Computer eingeben, sollte es Probleme bei den Arbeitsabläufen geben.

Die deutsche Finanzwirtschaft pocht deshalb auf klare Vorgaben für die steuerliche Behandlung von Kapitalerträgen im Rahmen der Abgeltungsteuer. "Wir brauchen eine einheitliche Regelung, wie die Finanzbehörden bestimmte Kapitalmaßnahmen bewerten, damit die Institute ihre Arbeitsabläufe sinnvoll gestalten können", erklärt Wolfgang Skorpel, Steuerexperte beim Bundesverband deutscher Banken.

So lange ein Kunde beispielsweise die Aktie A zum Kurs X kauft und später zum Kurs Z wieder veräußert, ist dies kein Problem. Kompliziert wird es, wenn ein Kunde im Rahmen einer Übernahme neue Aktien in sei Depot gebucht bekommt. Ein Beispiel verdeutlicht diese Problematik: Der fiktive börsennotierte Konzern "Zapmax" kauft die ebenfalls börsennotierte "Blender.com AG" und zahlt in Aktien. Dann bekommen die Blender-Aktionäre Zapmax-Anteilsscheine ins Depot gebucht, die Blender-Papiere werden ausgebucht.

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