Franchising-Konzepte für Advokaten werden wenig Erfolgschancen zugetraut
Den Top-Anwälten geht die Arbeit nie aus

Die Großkanzleien fürchten schlechte Presse, schaffen Jobs und schuften ohne Ende - so das Ergebnis einer neuen Handelsblatt-Umfrage. Die Rechtsabteilungen der Unternehmen als Arbeitgeber werden daher immer attraktiver für Juristen.

DÜSSELDORF. So eine Nachricht hatte es im im Branchen-Newsletter "Juve" noch nie gegeben - und trotzdem markiert sie einen Trend. Die Anwältin Bettina Friedrich verließ nach nur einem Jahr bei der Top-Kanzlei Gleiss Lutz in Stuttgart - in Beliebtheitsrankings stets unter den ersten drei - , hieß es da vor wenigen Monaten. Zuvor war Friedrich vier Jahre bei Freshfields gewesen, die ebenfalls zu den Top-Drei zählt. Warum jemand solchen Adressen den Rücken kehrt? Friedrich: "Die Work-Life-Balance einer Großkanzlei hat mir nicht mehr zugesagt." Die Pläne der 37jährigen waren unspektakulär: eine eigene Kanzlei.

Ihr Fall ist typisch. Anwälte in den internationalen Kanzleien arbeiten bis zum Umfallen. Dies ergibt die neue Handelsblatt-Umfrage unter den Top-50-Anwaltskanzleien hier zu Lande. Die Rücklaufquote betrug stolze 70 Prozent. Ein Partner arbeitet im Schnitt 60 Stunden pro Woche, ihm bleibt zur Erholung meist nur der Sonntagnachmittag zum Kaffeetrinken. In einzelnen Kanzleien gibt es auch Arbeitstiere, die es bis auf 75 Wochenstunden bringen. Als Partner wohlgemerkt. Doch auch bei den angestellten Anwälten sind es im Schnitt 57  Stunden, auch da in Einzelfällen bis zu 65 Wochenstunden. Gemessen an den Einstiegsgehältern von bis zu 87  000 Euro schon im ersten Berufsjahr (siehe Handelsblatt-Spezial 13. Oktober 2003). Vorsichtshalber verwies einer der Antwortgeber - auf die Arbeitszeitordnung - denn die erlaubt ja auch nur als Ausnahmefall 50 Stunden pro Woche.

Dieselbe Erfahrung wie Gleiss Lutz mit Bettina Friedrich wegen der Arbeitsbelastung hat fast jede zweite Kanzlei (48 Prozent) schon gemacht. Kein Wunder, dass nur so wenige Frauen zu Partnern avancieren, - jedenfalls wenn sie noch Familienpläne haben. Lovells bietet seinen Anwälten die Möglichkeit, als unterstützender Jurist in der zweiten Reihe "zu geregelteren Arbeitszeiten anzutreten", berichtet Christoph Hills, Managing Partner bei Lovells in München. In London gibt es bei Lovells Spitzen-Juristen, die mit 50 Jahren lieber in diese Hintergrundposition wechseln - um mehr Zeit zum Leben zu haben.

Jedenfalls hat die Arbeitszeit in jüngster Vergangenheit nicht gravierend zugenommen. Bei 83 Prozent blieb sie konstant, nur bei 17 Prozent noch leicht gestiegen. Gesunken ist sie jedoch in keiner Kanzlei. Die Top-50 müssen sich anscheinend keine Sorgen machen, dass ihnen die Arbeit ausgeht.

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