Guten Tag, Steuerfahndung...
Steuersündern per Mausklick auf der Spur

Erlöse aus Verkäufen im Internet können steuerpflichtig sein. Und der Staat braucht jeden Cent.

HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. Aus den Augen, aus dem Sinn - so oder ähnlich verfahren ungezählte Verkäufer, die sich online von Pretiosen oder Plunder trennen. Im besten Fall vergessen sie schlichtweg, dass Verkaufserlöse auch steuerpflichtig sein können. Schlimmstenfalls betreiben sie systematisch Steuerhinterziehung. Ein gefährliches Spiel, denn die Steuerfahnder rüsten auf.

Die Fahnder recherchieren auf den Seiten von Ebay und Co nach Händlern, die im großen Stil aktiv sind, aber keine Umsätze angeben. Unterstützt werden die Fahnder mit der Maus dabei von einer virtuellen Suchmaschine namens "X-Pider". Sie durchforstet die Verkaufsportale systematisch nach Anhaltspunkten für gewerbliches Treiben. Das Programm stellt Querverbindungen zwischen Verkäufern und Kunden her und vergleicht die gewonnenen Daten mit der Steuerakte.

Andreas Schubert ist einer von 40 Fahndern, die in Nordrhein-Westfalen auf der Jagd nach Internet-Schwarzhändlern sind. Zielfahndung per Klick gibt es auch in beinahe allen anderen Bundesländern, doch intern gelten die Düsseldorfer und ihre Kollegen im Land als die Speerspitze dieser Form der Steuerfahndung. "Wir haben in erster Linie den professionellen Handel im Auge", beschreibt der 45-Jährige seine Aufgabe.

Ein besonders dicker Fall

Zwar weiß niemand genau, wie hoch die Verluste an Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuer sind, doch mehrere Millionen Euro werden dem Fiskus wohl Jahr für Jahr entgehen.

An einem besonders dicken Fall arbeitet Schubert noch. Als es nach zahllosen Mausklicks der Fahnder für einen 40-jährigen Düsseldorfer in Form von Handschellen auch mechanisch Klick machte, addierte sich die Steuerschuld rasch auf rund 200 000 Euro. Nach einer Nacht in staatlicher Obhut überdachte der fleißige E-Händler seine Kooperationsbereitschaft und nannte den Beamten ein Schweizer Bankkonto.

Schubert: "Per Online-Überweisung haben wir dann fast den gesamten Betrag wieder dem deutschen Fiskus zugänglich gemacht."

Keine Frage, die Branche boomt. Bei ebay Deutschland sind alleine rund 5000 so genannte Powerseller registriert. Daneben gibt es zahlreiche Geschäftsleute, die alte Lagerbestände losschlagen oder einfach einen weiteren Vertriebskanal für ihre Ware nutzen wollen. Viele Händler hoffen, dass sie im anonymen Web zwischen Zehntausenden von ehrlichen Anbietern nicht weiter auffallen. Doch für die Fahnder gibt es reichlich Hinweise.

"Etwa dann, wenn ein Verkäufer massenweise ein Produkt offeriert und trotzdem erklärt, dass er keine Rechnung stellen könne, weil es sich um einen Privatverkauf handele", gibt Schubert Einblick.

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