Internet-Kriminalität
Reiche Phishgründe

Die Zahl der Online-Straftaten steigt rasant. Besonders beliebt und lukrativ ist das Ausspähen von Bankdaten. Die Opfer sind oft die Dummen, weil die Haftungsfrage noch nicht verbindlich entschieden ist. Wie die Richter zuletzt entschieden.

FRANKFURT. Als Reinhild B. aus Kassel auf ihren Kontoauszug schaut, muss sie sich erst einmal setzen. Mehr als 12 000 Euro fehlen. Laut ihrem Auszug hat sie das Geld Anfang Juli an einen unbekannten Herrn überwiesen. Unmöglich! Schließlich war sie zu dieser Zeit mit ihrem Mann auf Borkum im Urlaub. Und die Geheimzahlen für ihr Online-Konto kennt außer Ihnen niemand. Dachte sie.

Immer häufiger spionieren Hacker die Computer von Internetnutzern nach persönlichen Daten wie etwa den Zugangscodes für Online-Bankkonten oder Kreditkartennummern aus. Die Zahl der Opfer dieser sogenannten Phishing-Attacken - ein Wortspiel aus Passwort und Fischen - steigt von Jahr zu Jahr. Laut Bundeskriminalamt wurden 2007 rund 4 000 Phishing-Fälle bekannt, gut 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei ihren Fischzügen gehen die Hacker viel gezielter und gewiefter vor als noch vor Jahren. Damals konnte man die dreisten Versuche der Datendiebe meist leicht erkennen: In Emails gaben sie sich als Hausbank der Opfer und forderten ihre Kunden auf, Geheim (PIN)- und Transaktionsnummern (TAN) preiszugeben. Verräterisch waren dabei die vielen Rechtschreibfehler in den Mails.

Doch das hat sich geändert. Heute sehen die Mails oft täuschend echt aus. Die Betrüger verwenden sogar die Original-Logos der Banken. Klickt der ahnungslose Online-Banker dann auf einen entsprechend präparierten Link, landet er direkt auf einer gefälschten Bankseite. Wer dort seine Zugangsdaten und Passwörter eingibt, hat schon verloren.

Aber das ist nicht alles. Weil sich der Trick mit der falschen Bankseite mittlerweile herum gesprochen hat, wenden die Betrüger eine noch hinterhältigere Taktik an. In den meisten Fällen geschieht die Attacke, ohne dass sie das Opfer überhaupt bemerkt - so wie bei Reinhild B . Die Betrüger schleusen einen sogenannten Trojaner - ein Programm, das heimlich Daten ausspäht - auf den Computer ihres Opfers. Die trojanischen Pferde verbergen sich in harmlos wirkenden Dateien, etwa einem Bildschirmschoner, Foto oder Text-Dokument. Häufig reicht es schon, eine bestimmte Seite im Internet aufgerufen zu haben, schon ist der Rechner infiziert.

Im Netz finden die Diebe reiche Fischgründe. Über 20 Millionen Deutsche wickeln ihre Bankgeschäfte mittlerweile online ab. Viele von ihnen sind den Attacken schutzlos ausgeliefert. Die Banken und andere Internet-Dienstleister haben das Sicherheitsniveau zwar dank iTan-Verfahren und Sicherheitsschlüsseln (Token) deutlich verbessert. Den perfekten Schutz gibt es aber nicht. Der Schaden geht in die Millionen. Nach Schätzungen des IT-Branchenverbandes Bitkom hoben Betrüger im Jahr 2007 rund 19,5 Millionen Euro von den Konten ihrer Opfer ab; im Durchschnitt erbeuteten sie dabei 4 700 Euro pro Person.

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