Interview
„Manche verlangen mehr als das Doppelte“

Wenn zwei Steuerberater das Gleiche tun, dürfen sie unterschiedliche Rechnungen stellen. Stefan Arndt, Steuerberater und Rechtsanwalt sagt wie die Berater abrechen und wann Mandanten aufpassen solten.
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Wie groß sind die Unterschiede bei den Rechnungen von Steuerberatern?
Da jeder Sachverhalt individuell ist kann eine Vergleichbarkeit nur schwer hergestellt werden. Zwei Arbeitnehmer, die den gleichen Job haben und das gleiche verdienen sind im Rahmen der Bearbeitung einer Einkommensteuererklärung nämlich möglicherweise mit völlig anderem Zeitaufwand zu bearbeiten.

Woran liegt das?
Die individuellen Verhältnisse und Sachverhalte, wie Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, Kinderzahl und die damit in Zusammenhang stehenden Aufwendungen, weitere Einkünfte und ähnliches sind gänzlich verschieden.

Gibt es noch andere Gründe für die Unterschiede bei Rechnungen?
Ja, bei Zeitabrechnungen von Steuerberatern lassen sich jedoch teilweise erhebliche Schwankungen feststellen. Während die Steuerberatergebührenverordnung, an die jeder Berater gebunden ist, einen Höchstsatz von 92,00 Euro netto pro Stunde vorsieht, sieht die Realität anders aus.

Wie sieht sie aus?
Die Anwendung der Gebührenordnung kann vertraglich ausgeschlossen werden. Es wird dann einfach ein individueller Stundensatz vereinbart. So finden Sie dann Steuerberater, die für 80,00 Euro pro Stunde Betriebsprüfungen begleiten, aber eben auch Kollegen, die 180,00 Euro pro Stunde abrechnen. Aber das ist eben auch nur möglich nach schriftlicher Vereinbarung mit dem Mandanten.

Werden also gleiche Sachverhalte unterschiedlich abgerechnet?
Das ist unvermeidbar, da die Gebührenordnung die Abrechnung zum Teil in das Ermessen des Steuerberaters stellt. Der darf und muss dann, nach seiner Einschätzung des Schwierigkeitsgrades und des Zeitaufwandes, aus dem zulässigen Gebührenrahmen das Honorar festsetzen.

Sind solche Schwankungen bei den Rechnungen überhaupt vertretbar?
Das von Berater zu Berater eine unterschiedliche Einschätzung vorliegen wird, liegt in der Natur der Sache und bedeutet nicht zwangsläufig ein Problem. Erfahrungsgemäß werden Sie gleiche Sachverhalte kaum finden.

Wie groß sind die Unterschiede?
Es kann sich ergeben, dass eine Bilanz - deren Erstellung wird nach dem sogenannten Gegenstandswert abgerechnet - von einem Berater mit 18/10 abgerechnet wird, während ein anderer Berater grundsätzlich 25/10 in Rechnung stellt. Bei einem Gegenstandswert von 1 Million sind das über 600 Euro netto Unterschied. Hier stellt sich dann die Frage nach dem Grund der des höheren Satzes. Diesen wird es erfahrungsgemäß geben.

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