Steuerparadiese
Kantone unterbieten sich

Schweiz: Der Alpenstaat ist ein steuerlicher Mikrokosmos, der Wettbewerb ist dort kein internationales, sondern ein regionales Phänomen.

Kantone und Gemeinden konkurrieren: Derzeit planen elf der 26 Kantone Steuersenkungen für Privatleute. Mit großen Schritten voran marschiert der zentralschweizerische Kanton Obwalden, der im kommenden Jahr einen einheitlichen Tarif von 1,8 Prozent (Flat Tax) einführen und so die Nachbarn Zug und Schwyz unterbieten will. Zusammen mit Bundes- und Gemeindesteuern läge die durchschnittliche Spitzenbelastung in Obwalden dann weit unter 20 Prozent.

Die Steuerlast im Lande schwankt massiv, da sich Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern addieren. So ergibt sich in Zürich ein kumulierter Spitzensatz von 40,4 Prozent - der allerdings erst ab einem Jahreseinkommen von mehr als 500 000 Euro greift (siehe Tabelle: "Günstige Angebote"). Mehr Einigkeit unter den Regionen herrscht bei der Erbschaftsteuer: 25 Kantone haben sie für Ehegatten abgeschafft, 21 davon gleich auch noch für Kinder.

Zauberhaft ist das Land besonders für reiche Zuwanderer, und das Zauberwort lautet "Pauschalistenstatus". Wer den genießt, darf seine pauschale Steuer individuell mit den Behörden aushandeln; ein erheblicher Vorteil, der etliche Vermögende angelockt hat.

Den Nachbarstaaten ist das Privileg für die Reichen und Schönen ein Dorn im Auge - besonders den Franzosen. Nachdem der französische Rocksänger Johnny Hallyday nach Gstaad ins Berner Oberland gezogen war, beschimpfte ein Berater der französischen Präsidentschaftskandidatin Segolène Royal die Schweiz im Wahlkampf PR-wirksam als "Ganovenstaat", der seine Nachbarn mit "Raubtiermethoden" ausplündere.

Doch auch unter den streitbaren Eidgenossen regte sich Kritik: Bundesrätin Doris Leuthard monierte, dass der heimische Tennisstar Roger Federer zehnmal mehr Steuern zahle als ein ausländischer Pauschalist. Der Schweizer Anwalt Thomas Gehrig glaubt jedoch nicht, dass eine Abschaffung des begehrten Status zur Debatte steht. Er kann sich "allenfalls eine Erhöhung der Mindeststeuer" von im Durchschnitt 75 000 Franken pro Jahr und Pauschalist vorstellen.

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