Steuerreform
Abgeltungssteuer wird für Anleger teuer

Die geplante Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge vereinfacht zwar die Steuererklärung - aber sie schmälert die Rendite. Welche Investments profitieren, welche verlieren.

Lange gefackelt wird nicht mehr. Am vergangenen Mittwoch machte die Bundesregierung per Kabinettsbeschluss klar, dass sie ihre Steuerreform für Kapitalanleger durchzieht. Nachdem das Projekt immer wieder aufgeschoben wurde, will die Koalition nun eine einheitliche Abgeltungssteuer für Zinsen, Dividenden und Spekulationsgewinne vom Stapel lassen, die direkt von den Banken einbehalten und an den Fiskus abgeführt werden soll. Zwar ist erst im Herbst mit einem Gesetzentwurf zu rechnen, doch Eckpunkte aus einem Arbeitspapier der Bund-Länder-Arbeitsgruppe sind bekannt:

- Stichtag 1. Januar 2008

- einheitlicher Steuersatz von 30 Prozent (25 Prozent ab 2009); spätere Verrechnung mit dem individuellen Einkommenssteuersatz nur unter bestimmten Voraussetzungen

- Wegfall der Spekulationsfristen für steuerfreie Veräußerungsgewinne

- Streichung der hälftigen Besteuerung von Dividenden

Die Folgen werden schon in diesem Jahr spürbar sein.

Das Ende der Spekulationsfrist:
Bisher verschont der Fiskus Gewinne aus Wertpapieren, die länger als ein Jahr gehalten werden. Demnächst nicht mehr, und Aktionäre müssen mit empfindlichen Renditeeinbußen rechnen. Ein Panikausverkauf an der Börse ist allerdings nicht zu erwarten. Eine rückwirkende Besteuerung werde es nicht geben, glaubt Heinz-Udo Schaap, Steuerexperte des Bundesverbandes Deutscher Banken. Er hält es für wahrscheinlicher, dass der Stichtag für die Ermittlung des zu versteuernden Gewinns die Einführung der Abgeltungssteuer werden wird.

Das sähe für Anleger konkret so aus:

Fall 1: Gewinne aus Aktien, die bis Ende 2006 gekauft werden, bleiben bis zum 1.1.2008 ohnehin steuerfrei; erst der Gewinn, der ab dem Stichtag 1.1.2008 anfällt, wäre mit 30 Prozent zu versteuern.

Fall 2: Aktien, die 2007 ge- und verkauft werden; deren Wertzuwachs ist wie gehabt voll nach dem persönlichen Satz zu versteuern.

Fall 3: Gewinne aus Aktien, die 2007 gekauft und nach dem 1.1.2008 verkauft werden, machen Arbeit: Der Gewinn aus 2007 müsste rausgerechnet und nach dem alten persönlichen Satz versteuert werden, für Gewinne ab 2008 gelten die neuen Regeln.

Fall 4: Wer die Aktien erst 2008 kauft, der zahlt 30 Prozent Abgeltungssteuer.

Auf Milde sollten Anleger nicht hoffen: Selbst die Lobbyverbände der Finanzbranche rechnen insgeheim damit, dass die Bundesregierung die Spekulationsfrist nicht ins Jahr 2008 hinein verlängert. "Trotz des noch existierenden Steueranreizes wäre es sträflich, Aktieninvestments mit Sicht auf 12 oder 13 Monate zu empfehlen", warnt Klaus Büttner, Vorstand des Frankfurter Vermögensverwalters StarCapital. Für die Aktiennachfrage sei die Marktpsychologie wichtiger als der Steueraspekt. Sein Kollege Winfried Walter, Vorstandsmitglied der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie., ergänzt: "Im Herbst werden Investoren auf Schnäppchenjagd gehen, aber nicht wegen der Steuer, sondern weil es am Aktienmarkt eine zweite Korrektur nach unten geben wird."

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