Steuerthema der Woche
Neues Steuersparpotenzial beim Zweitwohnsitz

Die Kosten für eine aus beruflichen Gründen bezogene Zweitwohnung lassen sich von der Steuer absetzen. Entscheidend ist, dass der zweite Wohnsitz dazu genutzt wird, um von dort aus den Arbeitsplatz schneller erreichen zu können. Das gelingt auch, wenn der Berufstätige am Arbeitsort aus seiner ehemaligen Erstwohnung das zweite Domizil macht.
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Der Bundesfinanzhof hatte im Frühjahr 2009 unter Aufgabe seiner bisherigen Rechtsprechung entschieden, dass sich die Kosten für eine aus beruflichen Gründen bezogene Zweitwohnung auch dann von der Steuer absetzen lassen, wenn der Hauptwohnsitz aus privaten Gründen vom Arbeitsort wegverlegt wird, etwa weil die Familie aufs Land ziehen will oder der Ehepartner näher bei den Eltern wohnen möchte. Allein entscheidend ist nun, dass der zweite Wohnsitz dazu genutzt wird, um von dort aus den Arbeitsplatz schneller erreichen zu können. Das gelingt auch, wenn der Berufstätige am Arbeitsort aus seiner ehemaligen Erstwohnung das zweite Domizil macht.

Fiskus knickt ein

Kurz vor Weihnachten hat die Finanzverwaltung diese günstige Rechtsprechung in allen offenen Fällen akzeptiert. Das lässt sich jetzt in jedem Fall für die anstehende Einkommensteuererklärung 2009 nutzen, oftmals aber auch für noch nicht bestandskräftige Bescheide der Vorjahre. Daher sollten Berufstätige mit Zweitwohnsitz in der Ferne und ihre Steuerberater noch einmal genau überprüfen, inwieweit sich die neue Sichtweise noch in Altfällen berücksichtigen lässt.

Nach dem Erlass des Bundesfinanzministeriums werden die Urteile zur steuerlichen Behandlung einer doppelten Haushaltsführung nach Wegverlegung des Lebensmittelpunktes vom Beschäftigungsort angewendet und die gegenteiligen Ausführungen in den Lohnsteuer-Richtlinien sind insoweit nicht mehr zu beachten. Das bringt eine Reihe von neuen Gestaltungsmöglichkeiten, da es nunmehr keine Rolle mehr spielt, warum der eigentliche Hausstand plötzlich wegverlegt wird. Denn auch nach einem Privatumzug liegt die berufliche doppelte Haushaltsführung darin, dass eine weitere Wohnung am Beschäftigungsort besteht. Daher bleiben die hierfür anfallenden Kosten als Werbungskosten und bei Selbstständigen als Betriebsausgaben abziehbar. Hinzu kommt die Pendlerpauschale für die weiten Familienheimfahrten einmal die Woche.

Versteckte Hürden beachten

Grundsätzlich lässt sich diese nunmehr revidierte Rechtsprechung von Angestellten, Geschäftsführern, Unternehmern und Freiberuflern nutzen, sofern sie eine privat motivierte Änderung ihrer Wohnverhältnisse vornehmen, etwa wegen anstehendem Nachwuchs, Umzug in die Nähe der neuen Freundin oder dem fertigen neuen Eigenheim sowie dem dauerhaften Tapetenwechsel in ein Feriendomizil weit entfernt vom Arbeitsort.

Doch nach Auffassung der Finanzverwaltung gelten die neuen Grundsätze nicht, wenn bereits zum Zeitpunkt der Wegverlegung des Lebensmittelpunktes vom Beschäftigungsort geplant ist oder bereits feststeht, dass es in naher Zukunft zu einem Rückumzug in die Nähe von Büro oder Werkbank kommen soll. Dann soll keine aus beruflichem Anlass begründete doppelte Haushaltsführung vorliegen. Dies lässt sich gegenüber dem Finanzamt aber später leicht mit dem Argument widerlegen, der Rückumzug wäre plötzlich und völlig unerwartet gekommen.

Schwieriger ist es da schon, wenn die Familie beispielsweise über die Sommermonate in ihrem Feriendomizil in den Bergen oder am Meer residiert, das einige hundert Kilometer von der Arbeitsstätte entfernt ist. Hier wird unabhängig von der Dauer keine doppelte Haushaltsführung akzeptiert. Immerhin lassen sich jedoch die Aufwendungen für die tatsächlich durchgeführten Pendelfahrten ins Büro von der jeweils tatsächlich genutzten Wohnung mit der Entfernungspauschale geltend machen, also auch von der Ferienwohnung auf Sylt zum Firmensitz in München.

Der Autor, Oliver Holzinger, ist Steueranwalt und geschäftsführender Redakteur von "Der Betrieb".

Quelle: Pressebild
Oliver Holzinger
Der Betrieb / Chefredakteur

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