Werbegeschenke bergen zur Zeit ein Steuerrisiko
BDI will Pauschalsteuer für WM-Tickets

Die Wirtschaft drängt Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) zu einer Pauschalsteuer auf alle Werbegeschenke und andere Zuwendungen an Geschäftspartner. Anlass ist die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

HB/dri BERLIN. Vor allem die Sponsoren, die für mehrere Millionen Euro VIP-Lounges in den Stadien reserviert haben, fürchten, dass ihre Imagekampagnen nach hinten los gehen könnten - wegen der Regeln zur Besteuerung von Zuwendungen. Eine Pauschalsteuer würde auch die Finanzverwaltung entlasten, sagte Steuerexperte Dietmar Gegusch vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).

Dieter Cazzonelli, Steuerabteilungsleiter der Deutschen Telekom AG, beschreibt das Problem: "Wenn wir jemanden in die VIP-Lounge einladen, müssten wir die Eintrittskarte eigentlich mit einem Warnhinweis versehen: Die Annahme dieser Karte kann Ärger mit dem Finanzamt verursachen", sagt er. "Im Sinne einer Marketingkampagne ist das ein Problem."

Hintergrund sind die in den vergangenen Jahren mehrfach verschärften Regeln zur Besteuerung geldwerter Vorteile aller Art. Wer etwa als Mitarbeiter einer Partnerfirma der Telekom in die VIP-Lounge eingeladen wird, muss den Wert des Geschenks entweder selbst versteuern oder die Steuer von seinem Arbeitgeber zahlen lassen. Die Telekom wiederum ist verpflichtet, genaue Listen über die Eingeladenen zu führen. Als steuerlich absetzbare Betriebsausgabe wiederum gelten für das Unternehmen die WM-Karten nur, wenn in der Lounge konkret ein Geschäft beschlossen wird - die Pflege einer Geschäftsbeziehung reicht nicht aus. Ähnliche Steuerprobleme entstehen bei allen Sponsorveranstaltungen: für Opern und Konzerte genauso wie für Sportveranstaltungen und Feste.

Auch Unternehmen, die ihre Mitarbeiter mit Incentives belohnen wollen, bescheren ihnen so nebenbei möglicherweise Ärger mit dem Finanzamt. "Wir sehen, dass da ein Problem ist", sagte ein Sprecher Eichels. Man könne dies allerdings nur gemeinsam mit den Ländern lösen, die für die Steuerverwaltung zuständig sind.

Der BDI schlägt vor, künftig auf alle Incentives und Werbegeschenke eine Pauschalsteuer von 25 Prozent zu erheben, die der Schenkende zahlt. Damit entfiele für den Beschenkten die Steuerpflicht - und die Peinlichkeit, nach dem Wert des Geschenks fragen zu müssen. Für den Schenkenden entfiele die Doppelbesteuerung. Einfacher würde es auch, Incentives für die eigenen Mitarbeiter auszuloben.

Cazzonelli verweist darauf, dass der Fiskus ebenfalls entlastet würde. Heute müsste er nach Betriebsprüfungen eigentlich die Empfänger jeder Zuwendung ermitteln und prüfen, ob diese Steuern zahlten - ein Aufwand, den die meisten Finanzämter scheuen. Im Ergebnis führt dies heute dazu, dass kaum jemand ein Werbegeschenk versteuert. Die Steuereinnahmen, wirbt der BDI, dürften daher durch die Pauschale eher steigen als sinken.

Im Finanzministerium, sagte der Sprecher, stehe man dem Vorschlag "aufgeschlossen" gegenüber.

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