Werbungskosten
Schuhe sind Privatsache

Das Problem kennen viele Arbeitnehmer: Im Beruf gilt ein Dresscode, der nicht dem privaten Modegeschmack entspricht. Doch beim Steuerbonus zum Kleiderkauf ist der Fiskus geizig. Was tatsächlich als Berufskleidung gilt.

MünsterBei Kosten, die in irgendeiner Form mit der privaten Lebensführung zu tun haben, geht die Finanzverwaltung grundsätzlich in Abwehrhaltung: Ausgaben fürs Private – ob Haushalt, Freizeit oder Urlaub – sind und bleiben demnach privat und können nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden. Ähnliches gilt für die Ausgaben, die – wie es im Amtsdeutsch der Finanzverwaltung heißt – zu den „unverzichtbaren Aufwendungen für die Lebensführung“ gehören. Dazu zählen vor allem Kosten für:

• Kleidung
• die Wohnung
• Ernährung
• allgemeine Schulbildung
• den persönlichen Bedarf des täglichen Lebens oder auch
• Brillen.


Diese Aufwendungen sind in aller Regel bereits durch das steuerliche Existenzminimum abgegolten. Auch eine Schuhverkäuferin, die sich vor dem Finanzgericht Münster mit dem Finanzamt stritt, musste diese Erfahrung machen. Die Frau war in der Filiale einer Schuhhaus-Kette angestellt; ihr Arbeitgeber hatte in den Servicestandards festgelegt, dass jede Mitarbeiterin sauber geputzte Schuhe aus eigenem Haus tragen müsse.

Daher setzte die Verkäuferin in ihrer Einkommensteuererklärung knapp 850 Euro für die Ausgaben für Arbeitsbekleidung an. Das Finanzamt erkannte die Kosten nicht an, die Frau zog vor Gericht. Dort machte sie geltend, dass es in ihrer Firma zum äußeren Erscheinungsbild dazugehöre, Schuhe aus eigenem Hause zu tragen. Sie müsse diese Markenschuhe nicht nur tragen, sondern auch bei ihrem Arbeitgeber kaufen. Außerhalb des Geschäfts ziehe sie die Schuhe nicht an.

Das Gericht konnte der Argumentation nicht folgen und wies die Klage als unbegründet ab (Az.: 9 K 3675/14 E). Es handele sich weder um Aufwendungen für Arbeitsmittel noch um sonstige Werbungskosten. Aufwendungen für Kleidung seien – ebenso wie Aufwendungen für Wohnung und Verpflegung – grundsätzlich Kosten der Lebensführung.

Diese könnten Steuerpflichtige auch dann nicht abziehen, wenn sie damit ihren Beruf förderten. Konsequenz: Selbst wenn kein Zweifel bestehe, dass die konkreten Kleidungsstücke so gut wie ausschließlich im Beruf getragen werden, sei „bürgerliche Kleidung“ nicht steuerlich abzugsfähig.

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Was als Berufskleidung gilt

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