Boom ist vorbei
Wenige schließen Riester-Renten ab

Über 15 Millionen Bundesbürger haben eine Riester-Rente abgeschlossen. Nun aber kommen nur noch wenig Neue dazu. Gründe dafür sind laut Bundesarbeitsministerium die Finanzkrise und die Niedrigzinsphase.
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BerlinDer Boom bei den staatlich geförderten Riester-Rentenverträgen ist vorbei. Im ersten Halbjahr 2013 erhöhte sich die Zahl der Verträge nur noch um 79.000 - auf insgesamt 15,76 Millionen. Das geht aus Zahlen des Bundesarbeitsministeriums in Berlin hervor. Im ersten Quartal gab es - unter Berücksichtigung stornierter Verträge - einen Zuwachs um 13.000 Verträge, im zweiten Quartal von 66.000.

Nennenswerte Nachfrage gab es erneut nur nach sogenannten Wohn-Riester-Verträgen, die für eigengenutze Immobilien verwendet werden können. Den Anteil der ruhend gestellten Riester-Verträge - für die also aktuell keine Beiträge bezahlt werden - schätzt das Ministerium auf etwa ein Fünftel.

Gründe für die Stagnation sieht das Ministerium in der Niedrigzinsphase und der durch die Finanzmarktkrise verursachten Unsicherheit. Dennoch sei die Riester-Rente „langfristig“ der richtige Weg, um für das Alter vorzusorgen, sagte eine Sprecherin. „Wir müssen weiterhin für Transparenz bei den Anbietern sorgen und weitere Anreize schaffen, um zu zeigen, dass sich das Riestern lohnt.“

Die Riester-Rente wurde eingeführt, um Abstriche bei der gesetzlichen Rente durch Eigenvorsorge auszugleichen. Bis Ende 2011 wurden jährlich eine Millionen oder mehr Vertragsabschlüsse gemeldet. Die Riester-Kritik entzündete sich immer wieder an niedrigen Renditen und hohen Kosten.

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) sieht in der Riester-Rente trotz Flaute ein „Erfolgsmodell“. Die Rendite mit Überschussbeteiligung liege bei über 3 Prozent. Das biete „kein anderes Finanzprodukt bei vergleichbarer Sicherheit“, sagte ein GDV-Sprecher. Er forderte, Förderhöchstgrenzen und Zulagen zu erhöhen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Sozial fair wäre eine Rückabwicklung aller Verträge und Rückerstattung der gezahlten Beiträge mit Inflationsausgleich.

    Die Kampagne ist wohl als einer der größten Betrügereien in unserem Land einzustufen. Besonders verwerflich finde ich daran, dass die Aktion sich ausschließlich gegen die unterste Schicht unserer Gesellschaft richtete und ausschließlich darauf ausgerichtet war, Versicherungsprovisionen für die Taschen weniger abzuräumen.

    Dafür gehören sie heute noch in Reihe an den öffentlichen Pranger. Das war ein Betrug (Sozialbetrug) in großem Stil. Wenn das nicht verfolgt wird, und das darf man annehmen, dann hat es noch nie Sozialbetrug in unserem Land gegeben.

    Alle, wie sie mitgemacht haben, müssen bestraft werden. Auch die Beamten und Politiker, die den Betrug erst ermöglichten. Keine Diäten, keine Pensionen für diese "Typen"!

  • Erstmal stecken sich die Versicherungen die Taschen voll. Dann kommt lange nichts. Dann bekommt der Kunde, was übrig bleibt.

    Nur Deppen vertrauen Versicherungen ihr Geld überhaupt noch an.

    Superdeppen auch gerne superlangfristig.

  • Ich habe damals, als die Riester-Rente aufkam, diese wegen ihrer unklaren Konstruktion abgelehnt und sehe mich heute (leider) in meiner Meinung bestätigt. Da wird es für viele noch bittere Überraschungen geben.

    Im übrigen ist auch heute der Abschluss einer Riester-Rente und die Auswahl des richtigen Anbieters ohne vorherige Einbeziehung neutraler Experten nicht ratsam.

    Der niedrige, von der EZB festgelegte Zinssatz hat nicht nur auf die Riesterrente negativen Einfluss, sondern inzwischen auch auf Rüruprente, betriebliche Altersvorsorge und private Zusatzrenten. Mit dem leider verheerenden Ergebnis, dass der staatliche Aufruf zur privaten Zusatzvorsorge ad absurdum geführt wird.

    Nicht ohne Grund wurde dies im Wahlkampf unter dem Teppich gelassen.

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